In den Wind beten

Auf dem Weg zum Büro fahre oder gehe ich unter einer Gebetsfahne hindurch, die zwischen zwei auf gegenüberliegenden Straßenseiten stehenden Häusern hängt. Ich kenne die ausgefranste Fahnenleine schon lange, aber erst vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal länger hinauf geschaut. Schön eigentlich, unter flatternden Gebeten unterwegs zu sein. Und je nachdem, von welcher Seite ich gerade komme, kann ich sie mir als Tor zu meinem Büro oder zu meinem Zuhause vorstellen.

Beten? Wenn ich ehrlich bin, habe ich die letzte Zeit fast nur mit „Erledigungen“ zugebracht. Schnell noch hier und da etwas auf den Weg bringen oder etwas machen, bevor es zu spät ist. Die Erde ist mit ihrer jährlichen Runde fast am Ende, und ich sehne mich nach leeren Tagen. Übernächste Woche stehen wir alle wieder am Anfang einer neuen Runde. Wenn nicht beten, dann wenigstens flattern. Und unterwegs sein.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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