Mit Steinen werfen

Im Moment ist ja Herr Lindner schuld. Direkt nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungsgesprächen kam eine Blitz-Umfrage von Der Zeit, ob ich mich über den Abbruch der Verhandlungen ärgere – !? Sonst liegt der Batzen ja gewöhnlich bei Frau Merkel. Wahlweise bei Herrn Schulz. Ich fasse mir an den Kopf. Hallo? Kann sein, dass das Platzen der Gespräche geplant war. Kann jetzt aber auch nicht sein. Es ist sicher wichtig, Kompromisse zu finden. Neuwahlen wären tatsächlich vor allem teuer. Aber warum müssen wir gleich wieder Schuldige finden? Vielleicht liegen die politischen Standpunkte wirklich noch zu weit auseinander? Oder die Prioritäten woanders. Könnte es sein, dass die Parteien – oder deren Vertreter – tatsächlich mal um Positionen ringen. Nicht, dass ich etwas gegen Lautlosigkeit beim Regieren hätte. Aber wir haben uns zu sehr daran gewöhnt. Und vermuten natürlich auch da Gefahr und Schuldige, weil ja alle nur ihre Posten und Pöstchen verwalten. Ich wünschte mir sehr, dass in der öffentlichen Debatte, bei allem Spass am Gelästere und an der Aufregung, auch mal über Gründe und Perspektiven geredet würde. Es ermüdet mich, ewige Schuldzuweisungen, Verdächtigungen oder sonstige Phrasen zu hören. Ich habe absolut keine Bedenken, dass es dieses Mal mit der der Regierungsfindung länger dauert. Unsere Demokratie ist dafür bestens gemacht. Klar, je schneller, desto besser. Aber wir haben auch fisselige Zeiten. Und das Wahlergebnis war alles andere als lecker. Es ist schwierig. Und es ist verdammt an der Zeit, mit der ewigen Suche nach Schuldigen aufzuhören.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 15

        • Stephanie Jaeckel 22. November 2017

          Naja, das ganz große Problem in der Berliner Regierung ist zur Zeit die AfD. Sie unterläuft jeglichen politischen Diskurs in allen Gremien. Damit hat die rotrotgrüne Regierung tatsächlich sehr zu kämpfen. Ich könnte mir natürlich trotzdem eine Minderheitsregierung vorstellen, auch Sondierungsgespräche zwischen CDU, SPD und Grünen fände ich zumindest mal erwägenswert.

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        • thursdaynext 23. November 2017

          Same procedure wie im Bund, nur unter anderem Namen. Hatten wir im Bundestag noch nicht. Ich gebe zu, es gehen einem die Parteien aus, wenn man nicht die Neofaschisten unterstützen mag. Die letzten Regierungen haben sich nicht vrdient um das Gros der Bevölkerung gemacht. Steuern, Strom, Gewrkschaften, Renten, Bildung, Sozialabbau, Verkehr…

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          • Stephanie Jaeckel 23. November 2017

            Ich sehe das nicht so pessimistisch. Vor allem überlege ich nicht, eine andere Partei zu wählen. Politik ist doch kein Wunschkonzert bei dem ich schaue, wer mir am meisten raushaut. Parteien müssen sich meiner Ansicht nach nicht beim Publikum verdient machen. Sie müssen Gegenwart und Zukunft so gestalten, dass so viele Optionen wie möglich für uns in Deutschland, aber eben auch für andere Länder offen bleiben. Die Zeiten sind hart, trotz allen Wachstums. Das Leben in Deutschland wird teurer werden, wenn wir uns nicht das Leben auf der Erde völlig unmöglich machen wollen. Natürlich stehe ich eher im linken Spektrum. Als Freiberuflerin ohne Rentenanspruch, als Arbeiterkind ohne Erbe sind mir soziale Sicherung und Solidarität wahrscheinlich wichtiger als Beamten/innen oder Unternehmer/innen meines Alters. Aber ich bin mir sicher, dass auch die CDU oder die FDP grundsätzlich meine Anliegen mitdenkt, wenn auch mit anderen Prioritäten.

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          • thursdaynext 23. November 2017

            Deine Anliegen und die vieler anderer werden sicherlich bedacht werden, doch wenn ich mir den Neoliberalismus der bereits seit längerem praktiziert wird so anschaue, dann werden dort die Anliegen der großen Konzerne und der Wirtschaft, die natürlich auch heftig Lobbyarbeit betreiben, nicht nur ge-, sondern auch erhört. Ceta, TTIP, Glyphosat, Agrarbranche, Liebäugeln mit privatisierung von ursprünglichen Aufgaben der öffentlichen Hand, Steuergesetze, Bankenrettung, Strommonopolisten, Ressourcenraubbau, Waffenverkäufe, Hartz Aufstocker, ach … die Liste ist lang und ich mag mich nicht mehr aufregen. Lobbycontrol hat eine interessante Seite, gut im Netz zu finden, Kontext Wochenzeitung bringt gute Hintergründe, vieles läuft eben nicht gut und das seit etlicher Zeit. Deutschlandweit und global. Solidarität ist hier der Mittelschicht überlassen und diese schrumpft. Sieh dir die USA an, in 30 Jahren sind wir soweit, daran wird gerade gearbeitet. Wir haben genug für alle, es ist nur bewusst unzufriedenstellend verteilt und die Kluft nimmt zu nicht ab. Erbschaftssteuer , Kapitalertragssteuer sind keine linksaußenforderungen, sondern nötig um ein Solidarsystem am Laufen zu halten.
            Du siehst, ich ereifere mich, leider. Und doch Parteien müssen sich beim Publikum beliebt machen. Unser System verlangt es. Forciert durch die Medien, denen ich aber nur eine geringe Teilschuld zuweisen möchte, da spielen viele weitere Komponenten mit ein. Daher kann ich deinen Glauben, dass die ausgewiesenen Wirtschaftsparteien (SPD zähle ich seit Schroeder dazu) deien Anliegen, speziell die Rettung unseres Planeten (der mir aus egoistischen und genitischen Gründen auch sehr am Herzen liegt) mitdenkt leider nicht teilen. Im Zweifel, siehe Geschäfte mit der großartigen Volksdemokratie China, schauen sie wo es Kapital rauszuschlagen gibt, und davon wird sowohl bei dir , als auch bei mir und vielen vielen anderen nur bedingt etwas ankommen.
            Sorry, ab jetzt schweige ich still, ergebe mich dem Novemberblues und lese ab und an deine Gedankensplitter mit Genuß.
            Herzliche Grüße
            thurs
            thurs

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  1. Stephanie Jaeckel 23. November 2017

    Und wenn schon. Die Welt ist böse. Das war noch nie anders. Da ist mit Klagen und Stillschweigen wirklich gar nichts zu holen. Bitte, liebe Leute, Hintern hoch. Wir können wirklich an allen Ecken anfangen. Ehrlich gesagt, ich will kein Kapital. Ich will gute Lebensbedingungen. Natürlich müssen wir dafür mit Wirtschaftskartellen und anderen Bösewichten paktieren. Wer lebt, macht sich die Finger schmutzig. Aber einfach nur abkotzen, und dann wieder nichts tun. Och nö. Was die USA angeht: Erst heute gab es die irre Meldung, dass in New York der Mindestlohn auf 15 Dollar gestiegen ist. Höchstmarke weltweit. Die USA sind nicht Trump, auch wenn es von Weitem so aussieht. Also, Kopf hoch. Noch haben wir Spielraum.

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