Nicht Frauen sind gefährlich, sondern jede einzelne.

Vielleicht irre ich mich. Und bringe Dinge miteinander in Verbindung, die so nicht gehören. Aber zu viel fliegt uns gerade mal wieder um die Ohren. Und warum nicht mal Verbindungen ziehen zwischen Kenia und Kreuzberg?

Im Radio war heute ein Bericht über Witwen in Kenia. Ich habe nur mit einem Ohr hingehört, deshalb kann ich nicht ins Detail gehen. Es ging um eine ländliche Gegend, wo Ehefrauen zum Sex mit Fremden gezwungen werden, wenn ihr Ehemann gestorben ist. Nicht alle, sondern die, die nicht bei drei einen neuen Heiratskandidaten bei der Hand haben. Es handelt sich um Frauen zwischen Vierzig und Fünfzig. Meist Mütter, oft schon Großmütter. Drei Tage lang werden sie mit einem Fremden in ein Haus oder eine Wohnung gesperrt und dort gedemütigt und vergewaltigt. Wenn sie das überstanden haben, müssen sie dem Mann ein Hühnchen braten und zuschauen, wie er es isst.

Was ist das? frage ich mich. Warum wird diesen Frauen Gewalt angetan? Sie haben Kinder bekommen, ein Leben geführt, ihren Mann verloren. Sie könnten möglicherweise jetzt ihre Töchter oder Söhne unterstützen oder eine Arbeit suchen. Stattdessen versucht man, ihnen das Genick zu brechen. Mann.

Ich bin keine Witwe. Sondern ledig. Und in dem Alter jener kenianischen Witwen. Nein, mir droht keine Zwangsvergewaltigung. Dennoch spüre ich scharfen Wind, der mir entgegenweht. Von einer einzelnen Frau scheint eine ungeheure Gefahr auszugehen. Sowohl im Privatleben, wo es nach wie vor unüblich ist, ohne Partner eingeladen zu werden. Aber auch im Berufsleben. Kaum fünf Minuten vergehen, ohne dass gecheckt wird, ob ich verheiratet bin, verpartnert oder solo. Mir fällt jedesmal die Kinnlade runter. Klar, ich bin Freiberuflerin, und im Freien pfeift ein rauer Wind. Aber ich habe oft den Verdacht, als Frau angegriffen und gedemütigt zu werden. Unverschämte Wortwahl, ebenso unverschämte Vorurteile, was ich alles nicht kann, oder verpeilte Komplimente, wenn doch. Wie oft zum Beispiel musste ich mir als Interviewerin schon anhören, dass meine Fragen „ja durchaus intelligent“ waren. Hallo??? Ich meine, diese Äußerungen waren NETT gemeint.

Noch einmal: Mir droht keine direkte Gefahr. Aber mir wird eins deutlich: nicht „wir Frauen“ werden offensichtlich (von wem dann auch immer) als bedrohlich wahrgenommen. Sondern jede einzelne von uns. Das gibt mir zu denken. Auch wenn ich damit fürs Erste ganz schön verheddert bin.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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