Frauen und Männer

Ich war neulich kurz davor, mich dem #metoo anzuschließen. Doch etwas hielt mich ab. Vielleicht, weil es zu einfach ist. Als die Frauen in den 1970er Jahren eine ähnliche Kampagne starteten („Auch ich habe abgetrieben“), war der Einsatz höher. Denn sagt dieses „Ich auch“ am Ende nicht nur in etwa: Auch ich bin in meinem Leben einmal/ mehrmals einem Arschloch begegnet?

Eine schwierige Situation. Und mir scheint, jede weitere Äußerung macht den möglichen Verdruss noch größer. Dennoch: Die Debatte ist da, und wir sollten sie nicht schnell wieder unter den Tisch kehren. Denn das ist ja das Perfide an der ganzen Geschichte: Schweigen nützt der falschen Seite.

Sieglinde Geisel hat gestern im DeutschlandFunk Kultur auf die Gefahr der aktuell nicht abreißenden „Empörungsdebatten“ hingewiesen. Jede Frau der Welt hat Grund genug, sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren, d.h. sie laut und deutlich als solche zu benennen. Ich bin sicher, es wird sich etwas ändern, wenn wir in solchen Situationen nicht mehr lächeln, sondern Klartext reden. (Im Übrigen: Es hat sich schon eine Menge geändert. Ich bin in den 1970er Jahren zur Schule gegangen und hatte noch mit Vorurteilen und Benachteiligungen zu kämpfen, die uns heute steinzeitlich vorkommen.) Aber wir werden nichts mit kurzfristigen Aufregern reißen. Wir sehen damit höchstens das Ausmaß des Problems.

Die körperliche Verschiedenheit von Frauen und Männern hat dazu geführt, dass über Jahrhunderte hinweg Frauen zurückstecken mussten. Eine Ungleichheit, die zum Himmel schreit und einer friedlichen Zukunft sperrig entgegensteht. Frauen und Männer müssen ihren Umgang miteinander immer wieder neu definieren. Das liegt nicht nur bei den Männern und längst nicht nur bei den Frauen. Denn eins ist klar: Wir müssen ran, und zwar gemeinsam. Was gegenseitiges Vertrauen und damit ein Überwinden von Vorurteilen und – schwerer noch – eine Neubewertung eigener Erfahrungen notwendig macht. Dabei kann uns eine längst gemachte Einsicht helfen: Es geht vor allem nicht um Sex. Es geht um Macht.

Einsortiert unter: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s