Stehauffragen

Es gibt Fragen, die klopfen immer wieder an die Tür. Auch wenn man gedacht hat, sie längst verabschiedet zu haben. So kam mir heute wieder eine entgegen: Gibt es ein weibliches Schreiben? Anlass war das aktuelle Interview mit der französischen Schriftstellerin Hélène Cixous auf „Zeit online“. In dem Gespräch deutet sich an, dass Frau Cixous von einer solchen Möglichkeit ausgeht. Das Schlagwort, das für dieses weibliche Schreiben genannt wird, heißt „Sound“, leider führt der Artikel an dieser Stelle nicht viel weiter. Aber das genügt, um mich neugierig zu machen.

Dabei geht es offensichtlich nicht um die Erfahrungen, „von mir als Frau“. Dennoch beinhaltet die Fragen nach weiblichen Aspekten durchaus die Überlegung, ob es – vielleicht, vielleicht – weiblich konnotierte Schreibweisen gibt, die ich mir verkneife? Ist es das Schreiben über die Ohren, das mir große Freude bereitet, sich aber wenig an Regeln orientiert, und deshalb oft mit dem Fehlerteufelvernichtungsrot gestrichen wird? Steht die Freude am Laut der genauen Beobachtung und dem präzisen Schildern entgegen – oder ist es etwas anderes? Ich bin zu müde, um die Überlegungen heute Abend weiter zu führen. Aber ich bin mal wieder angestoßen, wachgerüttelt. Die nächsten Texte werde ich sicher auf diese ewige Frage hin mal wieder genauer lesen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

    • Stephanie Jaeckel 15. Oktober 2017

      Naja, es gibt nicht DAS Beispiel. Insgesamt schreibe ich akustisch, d.h. auf Lautfolge und Rhythmus. Weniger auf strenge Linearität oder auf Anschluss. Wobei ich natürlich den Inhalt im Blick behalte. Insgesamt gibt es eher lange Sätze und gelegentlich merkwürdige Verdrehungen, die für Sprecher/innen leicht sind, aber leises Lesen manchmal herausfordern. Vom journalistischen Standpunkt sind sie oft gar nicht zu rechtfertigen. Da bekomme ich dann den Rotstift serviert. Für einzelne Artikel ändere ich das dann. Aber keine Sorge. Ich bleibe soweit dabei…

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