Kunst und Leben

Im Alltag hatte ich – zumindest in letzter Zeit – kaum noch Muße für Museumsbesuche. Zu anstrengend schienen mir die Exkursionen, zu bildungslastig. Die weit und breit einzige Ausstellung, die ich in den letzten Monaten gesehen habe, war die Otto Freundlich-Werkschau im Kölner Museum Ludwig. Auch da war ich unruhig. Kaum drinnen, wollte ich schon wieder raus. Ich habe mir nach der ersten Runde einen Kaffee gegönnt und bin dann noch einmal von Werk zu Werk gegangen, zumindest zu denjenigen, die mich beim ersten Durchgang besonders angezogen hatten.

Und plötzlich, im Urlaub, hatte ich wieder alle Neugier und Ruhe der Welt, mir die großen und kleineren Sammlungen in San Francisco in Santa Barbara und Los Angeles anzuschauen.  „How Art Can Make You Happy“ las ich in einem der Museumsshops auf goldenen Buchdeckeln, und hatte keinen Bedarf, das Buch aufzuschlagen. Die Sache war doch klar, oder? Rückblickend frage ich mich trotzdem, wie es so schnell zu dem Umschwung kam?  Und ob dieses „Happy“, das mir aus dem Betrachten der Werke zukam, dafür verantwortlich ist, dass ich mich auch heute, nach dem zweiten Arbeitstag, noch leicht und durchlässig fühle?

Kunst öffnet Perspektiven. Oder sie befreit eingefahrene Gedanken. Oder bietet Themen an, mit denen ich mich weder am Schreibtisch noch während der Pausen vom Schreibtisch widme. Sie verlangt meine ganze Aufmerksamkeit. Und die Bereitschaft, neues zu lernen. Oder im Kopf auszuprobieren. Sie zeigt mir in jedem Fall, dass die Welt sehr viel größer ist, als ich mir das im Alltag so vorstelle. Hier zum Beispiel habe ich daran gedacht, wie viele Lebensformen es gibt oder auch gab auf der Erde, und wie einseitig wir Alltagsmenschen Leben denken, weil wir eben nur unsere eigene Lebensweise im Sinn haben. Es könnte ja ein Lebensinhalt sein, aufrecht im Ozean zu schweben. Oder so lang wie eben möglich zu werden. Langweilig? Oder die Erfüllung einer oder gleich millionenfacher Existenzen? Die Gedanken dazu sind wie immer frei.

 

Die geknüpften Werke, die auf dem Foto mit den eigenen Schatten um die Aufmerksamkeit der Besucher/innen konkurrieren sind von der US-amerikanischen Bildhauerin Ruth Asawa und im De Young Museum von San Francisco zu sehen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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