Kindheitserinnerung

Und gleich noch etwas sprang mich an, als ich gestern durch die Ausstellung mit Bildern von Cornelia Schleime ging: Ich erinnerte mich an meine Zöpfe. Die hatte ich, wenn ich mich richtig erinnere, in der dritten und vierten Grundschulklasse. Davon und danach waren meine Haare stets kurz – gewesen und sind es auch heute. Wie das Mädchen auf dem Bild trug ich Zöpfe. Links einen und rechts, nie Pferdeschwanz, nie offenes Haar. Und es war eine Tortur. Das Kämmen morgens am Küchentisch, das Reinfriemeln der Zopfgummis, das Zurechtziehen der Zöpfe (fest, fest, fest), und dann womöglich auch noch eine Mütze drüber. Dennoch habe ich mir bis vor zwei, drei Jahren immerfort langes Haar gewünscht. Mittlerweile bin ich mit meinen Kurzhaarschnitten versöhnt. Nichts geht schneller. Und, wenn ich das dunkle Mädchenbild sehe, fällt mir eins auf, die langen Haare, sie binden. Zeit und das Mädchen selbst, das schnurstracks an den Haaren gepackt und weggeschleift werden könnte.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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