Die Vorlesungen, die Michel Foucault in seiner Zeit am Collège de France hielt, sind teilweise als Manuskripte, teilweise als Tonbandmitschnitte erhalten. Ich lese gerade diejenigen, die Foucault Anfang 1976 hielt. Er fängt sehr sympathisch damit an, den Sinn und Zweck der Vorlesung zu untersuchen. Er will mit seinen Veranstaltungen, so sagt er, weg vom Lehrbetrieb hin dazu, der Öffentlichkeit darüber Rechenschaft abzugeben, worüber er eigentlich forscht. Und das war ja bekanntlich eine ganze Menge. Er kommt dabei auf eine Beobachtung zu sprechen, die er die „Wiederkehr des unterworfenen Wissens“ nennt. Als „unterworfenes Wissen“ bezeichnet er alles, was von der Forschung, den Universitäten oder sonstigen wissenschaftlichen Institutionen abgelehnt wird: Wissen oder Erkenntnisse, „die als nicht-begriffliches Wissen, als unzureichend ausgearbeitetes Wissen abgewertet“ werden. So spricht er zum Beispiel vom anerkannten „Wissen der Ärzte“ und demgegenüber von dem als nicht qualifiziert abgetanen „Wissen der Kranken“. Ja, denke ich, was wäre das von ein enormer Schritt, wenn Ärtzt/innen und Patient/innen anfangen würden, miteinander Krankheiten zu erforschen!
