Als Historikerin bin ich mit dem Phänomen häufig konfrontiert: Das der blinden Zeitgenossenschaft, das sich durch grandiose Fehleinschätzungen und – natürlich rückblickend gesehen – durch ebenso kuriose Weitsichtigkeit auf falschen Prämissen auszeichnet. Wenn ein neues Jahr beginnt und wie ein leeres Blatt vor mir liegt, denke ich an diese merkwürdige Verzerrung, die sich einschleicht, sobald wir mit Neuigkeiten konfrontiert sind. Und überlege einmal mehr, ob sich etwas dagegen tun lässt. Noch subjektiver schreiben, fällt mir spontan ein, aber ich bin keineswegs sicher, ob das irgendetwas ändert.
