10 Türchen für Kolumba: Eins

Kolumba ist vielleicht deshalb besonders, weil es nicht eins ist, sondern zwei: geweihter Ort und Kunsttempel, das heißt, ein Museum, das auf gleich mehreren zerstörten Kapellen/Kirchen steht. „Weiterbauen“ war das Motto dieses eigenwilligen Neubaus, wobei eben kein neuer Gottes-, sondern ein Musentempel errichtet wurde, das Kunstmuseum des Erzbistums Köln, das fugenlos (!) auf den zahlreichen Fundamenten der der Heiligen Kolumba geweihten Häusern in die Höhe ragt.

1997 begannen die Planungen für das neue Museum, 2007 wurde es fertig gestellt. Was von Anfang an im Blick stand, waren die Besucher/innen. Das Haus sollte für sie gebaut werden, nicht für die Kunstwerke (obwohl sie auch zu ihrem Recht kommen). Ein – man sollte es ja nicht meinen, ist aber leider so – seltenes Konzept. Denn meist stehen bei Neubauten andere Aspekte im Vordergrund: Repräsentation, optimale Größe für die geplanten Einrichtungen, Finanzierung und was nicht alles. Hier ist es der Gast, der – eine weitere Besonderheit – an der Eingangstür von einer/m eigens dort abgestellten Mitarbeiter/in freundlich begrüßt wird. Nein. Das ist jetzt kein Entgegenschmeicheln. Denn das Museum fordert. So gibt es im ganzen Gebäude Schwellen zwischen den verschiedenen Räumen. Da müssen die Besucher/innen aufpassen. Den Ort, an dem sie unterwegs sind, beachten. Sie werden nicht durchgeschleust, sondern sollen selbst gehen. Dass das tatsächlich Absicht ist, verrät übrigens ein Hinweis in dem kleinen Handkatalog der jeweils ein Jahr dauernden Ausstellung:

„Bitte beachten Sie die mit der Architektur des Gebäudes verbundenen Stufen und Schwellen. Seien Sie daher vorsichtig beim Betreten und Verlassen der Räume.“

Die Architektur des Gebäudes. Hinter der ein großer Name steht: Peter Zumthor. Gleich in einem meiner ersten Blog-Beiträge habe ich über die von ihm gebaute Therme in Vals geschrieben. Ach was, nicht geschrieben, geschwärmt! Ich hatte so ein Haus noch nie erlebt. Als hätte es nur auf mich gewartet. Oder als sei es vollkommen auf mich zugeschnitten. Nichts störte, weder das Auge noch die Füße, Hände, den Kopf und alles andere. Alles war schlicht und schön. Die Fenster waren groß und an der richtigen Stelle, die Wände stark und klar, der Boden angenehm unter den Fußsohlen und die Handläufe so, dass ich sie nie wieder loslassen wollte. Und weil alles zurückhaltend und gleichzeitig genau richtig war, entspannte ich mich und fühlte mich (jaja, doch, doch) glücklich. Dasselbe passierte mir gleich wieder in Köln. Kaum im Museum drin, umhüllte mich das Haus wie ein großer Mantel. Ich war willkommen und geborgen in einem. Und froh, hingegangen zu sein. Doch ja, man kann natürlich Einwände haben. Den Bau vielleicht manieriert finden. Teuer war er auf jeden Fall. Alles ist Handarbeit, nichts vorgefertigt. Aber er verstellt nicht den Blick auf die ausgestellte Kunst. Wie das funktioniert, habe ich noch nicht richtig raus. Vielleicht, weil er weder der Kunst noch dem Publikum eine Bühne bietet, sondern beide gleichermaßen von der Außenwelt abschirmt und so zu einem Zwiegespräch einlädt. Das, und die Tatsache, dass stets nur zwei oder drei Kunstwerke in einem Raum ausgestellt sind, unterscheidet Kolumba deutlich von anderen Kunstmuseen. Aber dazu mehr beim nächsten „Türchen“.

Auf dem Foto ist die Außenwand von Kolumba im Bereich der überbauten Ausgrabungen und der Kapelle zu sehen. Statt durch Fenstern fällt das Licht durch die aufgebrochene Mauerstruktur ins Gebäudeinnere.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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