Über den Umgang mit Menschen (II)

Nein, der Umgang mit anderen ist nicht leicht, weil es dabei vor allem um den Umgang mit sich selbst geht. Wie benehme ich mich tadellos gegen andere, ohne mich zu sehr zu verbiegen oder – wie Knigge schreibt – „Sklave der Meinungen andrer“ zu werden. Selbständig sein, den eigenen Gedanken vertrauen ist auch für den alten Benimm-Meister erste Regel, aber vielleicht doch etwas anders, als wir uns das heute vorstellen. So notiert er: „Was kümmert Dich am Ende das Urteil der ganzen Welt, wenn Du tust, was Du – ?“ eben nicht, „was Du willst“, sondern: „was Du sollst.“

Nicht selber glänzen soll das Ziel in der Gesellschaft sein, sondern anderen die Gelegenheit zu geben, sich ihrerseits von ihren vorteilhaften Seiten zu zeigen. Sehr klug beobachtet ist der Grund dafür: „Die wenigsten Menschen vertragen ein Übergewicht von andern.“ Sein Fazit: Wer sich zurückhält und zuhört, wird mehr geachtet, als jemand, der sich in Szene setzt, selbst wenn er oder sie kluge Dinge sagt. Die Menschen reden nun mal lieber selbst als zuzuhören.

Pünktlich solle man sein, Wort halten, nie die Unwahrheit sagen (weil die eh am Ende immer rauskomme). Nicht über andere lästern! Und nicht einfach widersprechen oder tadeln. Hier muss ich mich aber mal fest an die eigene Nase packen, denn wie es Knigge schreibt, stimmt es auch heute noch:

„Es gibt wenig Dinge in der Welt, die nicht zwei Seiten haben. Vorurteile verdunkeln oft die Augen, selbst des klügsten Mannes (und der klügsten Frau, lieber Knigge), und es ist sehr schwer, sich gänzlich an eines andern Stelle zu denken.“

Einsortiert unter: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s