Verloren

Ich habe schon eine ganze Fotoserie verlorener Stofftiere. Sie baumeln an Bäumen, liegen auf Simsen oder Mülltonnen, oder auf einem Sperrmüllberg und sehen tatsächlich ein bisschen tot oder halbtot aus, weil sie mir nichts, dir nichts aus ihrem Kuschelalltag rausgefallen sind. Sie leben ja nur durch die Ansprache. Ein Stofftier ohne Gegenüber ist nicht nur einsam, sondern auch ohne Aufgabe. Pfffff, fast wie wir Menschen.

 

 

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. agnesblogsite 12. August 2016

    Liebe Stephanie,

    ich mag viele Deiner Bilder sehr, doch dieses berührt mich besonders. Nicht unbedingt auf eine schöne Art, denn jede Art von Emotion kann ich nur als Schmerz empfinden, verbunden mit Trauer und Melancholie.

    Es tut so weh, mir die Tränen und das zerrissene Herz des Kindes vorzustellen, das sein geliebtes Kuscheltier verloren hat. Es erinnert mich an die kleine gehäkelte Schildkröte, die meine Kindergärtnerin jedem Kind unserer Gruppe gehäkelt hatte und die ich wenige Tage später bei einem Spaziergang im Wald verlor.

    Ob das Kind geweint hat? Vielleicht kam es ja auch zurück und hat den Teddy wiedergefunden?

    Oder hat es sein Spielzeug gar nicht vermisst, gar nicht gemerkt, dass etwas aus seinem Spielzeugbataillon fehlt? Die Generation der Kinder unserer heutigen Zeit, in diesem Teil Europas, hat ja ungleich mehr an Spielzeug in den Kinderzimmern als jede Generation zuvor. Es sticht mich immer tief ins Herz wenn ich sehe und höre, wie stolz meine Jüngste ist, dass sie schon so und so viele kleine Barbiepuppen besitzt, eine Herde aus so und so vielen Filypferden, eine unüberschaubare Anzahl an Pixiebüchern. All diese Geschenke habe nicht nur ich verbrochen, sondern vor allem der Vater der Kinder, der wohl hofft, er könne den Kindern die Trennung der Eltern, die Krankheit der Mama, das Vermissen der Mama durch Konsum versüßen (übrigens war er „früher“ nicht weniger konsumorientiert eingestellt als ich). Zugegeben, viele Kinder hierzulande besitzen noch ungleich mehr als meine eigenen. Und dennoch bekomme ich beim Gedanken an ihre Papa-Kinderzimmer einen metallenen Geschmack im Mund und meine Depression ruft: „Here I am!“

    Ich kann nicht anders, als beim Anblick dieses verlorenen Teddys an Kinder in Kriegsgebieten zu denken, an Kinder im Bombenhagel, an Kinder in Flüchtlingscamps. Ausgemergelt, mit großen traurigen Augen, wie sie gern von den Augen diverser Hilfsorganisationen mahnen. Ich weiß, dass es niemandem besser geht, wenn ich diese Gedanken pflege, mich selbst für mein sattes Leben im westlichen Kapitalismuseuropa geißele, weil das ja die Welt auch nicht besser macht, wenn ich mich selbst auspeitsche. Je tiefer ich in der Depression versinke umso weniger kann ich die Welt retten. Das ist ja das Schlimme, ich kann sie nicht retten, niemand kann sie retten, die Welt ist verloren.

    Darf ich das hier überhaupt schreiben? Ich höre schon die wütenden Proteste, wie schön das Leben sei. Naja. Theoretisch weiß ich das auch.

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    • Stephanie Jaeckel 12. August 2016

      Du kannst hier alles mögliche schreiben, das Leben – keine Sorge – wird hier auch nicht schön gemalt. Ich schreibe gerade eine Hörbuch für Kinder. Darin geht es um die Ozeane. Und dass wir uns beeilen müssen, sie zu retten, weil wir sonst alle untergehen (im wahrsten Wortsinn). Ich schreibe diese Geschichte mit vollem Herzen, das heißt, ich glaube fest daran, dass unser Planet zu retten ist. Depressionen machen es einem enorm schwer, aus der eigenen Haut heraus zu kommen. Aber ich denke, es ist wichtig zu wissen, dass das Grau, dass man wahrnimmt, nicht unbedingt die „wirkliche“ Farbe des Himmels ist (übrigens genauso wenig wie rosarot – oder nur selten). Es gehört Kraft dazu, diese Krankheit zu ertragen und sehr viel Mut, sie zu verlassen.

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