Vorab: Ein Hoch auf den Deutschlandfunk! Könnte man ja öfters mal schreiben. Also heute zumindest hier. Dort wurde gestern das aktuelle Buch von Evi Hartmann vorgestellt mit dem provozierenden Titel: „Wieviele Sklaven halten Sie?“
Wer mutig ist, kann gleich nachschauen unter: slaveryfootprint.org im Internet. Ich hab’s gemacht und bin glimpflich davon gekommen. Ich habe kein Auto, keine große Wohnung, kein teures Hobby und einen kleinen Kleiderschrank. Dennoch. So viele Sklaven, wie die, die für mich arbeiten, könnte ich nicht an einem Abend bei mir am Tisch bewirten. Das ist eindeutig zu viel.
Nein, Quatsch. Eine/r wäre schon zuviel. Aber wenn ich auf die heutige Wirtschaft schaue, wird mir schwindelig. Wie soll ich da klug einkaufen? Schließlich sind die Lieferanten immer schon die Kunden anderer Lieferanten, usf. Die Antwort, die Frau Hartmann gibt – nachdem sie erst einmal ausführlich das ganze Dilemma der weltweiten Ausbeutung aufdröselt – ist keine Sofortlösung. Eher die Anleitung für erste Schritte. So rät sie, erst mal Produkte aufzuschreiben, die man regelmäßig kauft und dann nach und nach zu recherchieren. Welche Produkte sind fair? Wo wird auf Nachhaltigkeit geachtet, auf Moral. Oder: Wie kann ich einkaufen, ohne nur auf den Preis zu schauen und Sparen zum wichtigsten Anreiz zu machen?
Was mir gefällt: Frau Hartmann schreibt aus eigener Erfahrung und verweist darauf, dass wir durch Mitdenken und Pragmatismus etwas erreichen können. Hier geht es nicht um das Beklagen individueller Machtlosigkeit, sondern darum, eigene Ideen und Wege zu finden. Für mich wäre eine weitere Idee, mehr mit anderen zu teilen. In der Nachbarschaft zum Beispiel. Wir feiern nächsten Monat unser Sommerfest. Eine gute Gelegenheit, auch darüber mal zu reden.

Tristan Rosenkranz 29. Juni 2016
Hmm… und indem ich mich bei Slaveryfootprint.org anmelde(n will), mache ich mich gleich auch einmal mehr zum Sklaven der nicht nachvollziehbaren Datenverarbeitung (bzw. -vermarktung)… Dann lasse ich es lieber… Gut ist der Ansatz dennoch, ich las vor Jahren schon Naomi Klein, es ist einfach erschreckend, wie nachlässig wir und zumeist verhalten und wieviel wir ändern könn(t)en.
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Stephanie Jaeckel 29. Juni 2016
Keine Sorge, um den Test zu machen, musst Du Dich nicht anmelden 😉
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Marion 30. Juni 2016
31. Das ist weniger, als ich befürchtet hatte, aber trotzdem eine hohe Zahl. Anscheinend lebe ich vergleichsweise genügsam. Und bei der Bekleidung hat mir das regelmäßige Aussortieren wohl eine Menge Punkte gespart – gekauft hab ich die Sachen ja aber trotzdem irgendwann, sie hängen nur jetzt nicht mehr in meinem Schrank.
Spannend fand ich, nach wie vielen Produkten gefragt wurde, die ich so ad hoc gar nicht mit dieser Frage in Verbindung gebracht hätte.
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Stephanie Jaeckel 30. Juni 2016
Ging mir auch so: Computer und Elektrozeug ist mir so selbstverständlich, dass ich erst wieder erinnern musste, wie sie gemacht werden. Und dann Lebensmittel. Ich habe gestern ein T-Shirt und eine Bluse gekauft und reingeguckt, wo sie gemacht wurden. USA -? immerhin nicht China. und Mönchengladbach… aber ob man wirklich sicher sein kann?
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Marion 30. Juni 2016
Ich gehe immer davon aus, dass die „made“-Angaben stimmen. Aber damit gibt es immer noch irre viele Unbekannte in der Kette. Woher der Rohstoff für den Stoff kommt, wo er produziert wurde, woher die Farben kommen, woher die Maschinen, die für all das benötigt werden. Das „made“ ist ja nur der allerletzte Schritt. Aber wenn das mal nicht Bangladesh ist, ist das ja schon ein ersters Schritt. Ich fürchte, ganz sicher sein kann man sich bei kaum einem Produkt.
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