Tatsächlich ist Essen ein Statement. Ein identitätsstiftendes Merkmal. Wobei man vielleicht mittlerweile vom Nicht-Essen sprechen sollte: Wer etwas ausdrücklich nicht isst, unterscheidet sich von anderen. Ein neuer Trend? Eben habe ich einen spannenden Beitrag im Deutschlandfunk gehört. Es ging um Gesundheit und Ernährung: Wie die beiden zusammenhängen, beziehungsweise, wie sehr die Zusammenhänge gesellschaftlich geprägt sind. Und: Der historische Rückblick zeigt: Nichts ist wirklich ganz neu.
Klar ist im Grunde, dass Essen so nah am Körper ist, dass Identität gerade an dem, was auf meinem Teller liegt, messbar wird (jaja, das Foto lügt nicht. Ich habe das Blaubeerapfeltörtchen vor fünf Jahren gegessen – und würde es jederzeit wieder tun…). Manche Leute versuchen, bestimmte Maßstäbe zu finden, die außerhalb ihrer Person sind, also die zum Beispiel nur regionale Produkte kaufen oder fair gehandelte. Andere orientieren sich an Kalorien oder an der vermeintlichen Gesundheit der jeweiligen Produkte (vermeintlich, weil es da historisch gesehen durchaus Schwankungen gab). Schaut man zurück, was Kulturhistoriker/innen gerade in Berlin auf einer Tagung getan haben („Du bist, was du nicht isst“), wird deutlich, dass die sich industrialisierende Gesellschaft vom Staat aufmerksamer beäugt wird: Nur gesunde Untertanen taugen. Es wird andererseits allerdings auch deutlich, wie wenig das bis heute funktioniert hat, im Grunde auch deshalb, weil Gesundheit, worauf eben die Obrigkeit so scharf ist, trotz aller medizinischer Fortschritte kaum dingfest gemacht werden kann.
Essen ist, das bleibt für mich das Fazit, in etwa das, was Mode eben auch ist: Distinktion. Selbstverständnis. Verortung. Und wie bei Mode sollte es allem voran um den Spass gehen. Wahrscheinlich müssten wir dafür unser Essen neu definieren. Ja, aber warum auch nicht.

wattundmeer 4. März 2016
Ich würde es auch tun – sieht lecker aus!
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Stephanie Jaeckel 4. März 2016
Zucker ist schließlich auch nur ein Gemüse…
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