Sie ist längst und locker von der „Achtsamkeit“ überholt, aber ich hänge an alten Dingen, also will ich ein Lied auf die Aufmerksamkeit singen. Leibnitz dachte sie sich als inneren Willen, dass Konzentration im Spiel ist, weiß jede/r. Aufmerksamkeit richtet sich auf die Umgebung, indem alle fünf Sinne beteiligt sind, wer sich einer besonderen Sache widmet, braucht oft nur zwei oder drei davon. Die frühe Forschung – wie das heute ist, weiß ich nicht – dachte sich Aufmerksamkeit nur im Wachzustand. Ich bin mir da nicht so sicher. Träume verlangen ja oft viel vom Schlafenden. Ob es überhaupt unaufmerksame Träume gibt (und von da nur ein kleiner Schritt: ob meine alzheimerkranke Mama überhaupt noch träumt – oder sieht sie vielleicht nur noch Formen und Farben?) Es gibt sie des Weiteren fokussiert und weit schweifend. Aufmerksamkeit stelle ich mir doppelt vor: mir selbst gegenüber, aber auch auf die Welt – und damit auch auf Menschen gerichtet. Jemandem Aufmerksamkeit schenken, ist vielleicht das Beste, was wir anderen geben können. Und über eine kleine Aufmerksamkeit (nein, eine Echte! Nicht bloß die blöden Pralinen oder den Wein von den letzten Gästen) kann viel Glück weitergegeben werden. Aufmerken ist für mich auch, aus einer gewissen Lethargie zu erwachen. Hallo? War da was? Ist da wer? Aufmerksamkeit ist für mich eine große und damit auch großzügige Tugend. Doch, ja, man kann sie lernen. Am einfachsten übrigens sich selbst gegenüber.
Die schöne, gleichsam aufmerksame und nach Aufmerksamkeit heischende Frau habe ich in der Berliner Bülowstraße fotografiert. Es gibt leider keine Signatur, kein Kürzel, an dem man den/die Künstler/in erkennen könnte.

papiertänzerin 16. Februar 2016
… sehr aufmerksam von dir 😉
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