Erstaunlich, denke ich in letzter Zeit öfters, dieser Drang meiner Generation, keine Fehler zu machen. Das scheint mir fast vergleichbar wie die Angst der 50er und 60er Jahre vor Mikroben und Bazillen. Auweia! Ein Fehler – da könnte ja, da wäre, was würden die anderen…, wie komme ich da wieder raus … Hilfe! Dabei. Fehler sind ja wirklich oft die einzige Möglichkeit, wieder auf den Boden zu kommen. Oder den Tunnelblick auf den Erfolg zu sprengen. Je älter ich werde, desto weniger Lust habe ich auf Perfektion. Weil sie stets ein Zuviel an Arbeit fordert. Und nie der wirkliche Garant für gute Arbeit ist. Gerade bei meinen Audio-Versuchen merke ich, dass ein gewagtes Ungefähr manchmal aufregender ist, als jede ausgearbeitete Arabeske. Es geht dabei nicht darum, Arbeit zu sparen. Sondern auf die Mehrarbeit von vornherein zu verzichten. Das Gegenteil von perfekt ist nicht im- (oder sagt man un-)perfekt. Es ist vielleicht manchmal ein gewagter Wurf, eine zeitweilige Improvisation, eine solide Leistung ohne Höhenflug, eine weniger elegante Lösung. Perfektion sieht von außen betrachtet blendend aus. Aber sie kann einem auf die Dauer den Hals zudrücken. Ein ziemlich hoher Preis.

Ruhrköpfe 22. Oktober 2015
Perfekt ist langweilig 😉 LG Annette
LikeLike