Die Klunker ziehen mittlerweile ja auch so ihre Kreise und kehren immer mal wieder zu vertrauten Themen zurück – kein Wunder, wenn man durchs eigene Leben stöbert und hier oder da auf Altbekanntes trifft. Schreiben also mal wieder, weil ich gestern mit einer Freundin darüber gesprochen habe, wie unterschiedlich schnelles, auf einen kurzfristigen Termin hin gerichtetes Schreiben von dem ist, für das man sich Zeit nimmt und vieles denkt/verwirft, bis man zu einer Form und einem Ende kommt. Beide haben ihre Stärken, das schnelle Schreiben zum Beispiel reißt plötzlich Gedanken an, die man so noch nie hatte. Und die einem regelrecht in die Feder (höhö) rutschen, weil man vielleicht dieses Verb gerade oder jenen Namen verwendet hat. Langsames Schreiben ist – für mich zumindest – eine ungeheure Schule der Geduld. Da entsteht ein Text, der sich – im guten Fall – noch mehrmals häuten kann. Ich muss ihn also vorsichtig behandeln, ihn atmen lassen, ihm neue Einfälle oder Richtungen erlauben. Natürlich sollte man beides können, auch wenn man sich mehr bei dem schnellen oder mehr bei dem langsamen Vorgehen zu Hause fühlt. Schnelles Schreiben ist vielleicht eher so etwas wie eine Ideenschleuder. Oder auch ein Experiment, in dem viele Wörter, Ausdrücke, Wendungen miteinander verrührt und probiert werden. Langsames Schreiben hat dann eher was mit Nach- und Weiterdenken zu tun. Mit parallelen Bewegungen, die in die Texte hinein gefaltet werden, mit Andeutungen und nicht zuletzt Fußnoten. Dichten wäre für mich noch einmal eine ganz andere Kategorie, wobei es auch hier ein schnell und langsam gibt, vielleicht verschränkter, als bei Essay- oder Prosatexten. Schreiben ist zumindest eine ungeheuer merkwürdige Tätigkeit. Während es im alten Ägypten noch ein Beruf war, weil fast alle Analphabeten bzw. Anhyroglyphen waren, ist es heute etwas ganz anderes, wo im Grunde jede und jeder schreiben kann. Und eben auch wieder nicht. Und wie man es lernt, wüsste ich wirklich mal gerne. Aber der Verdacht, dass es im Grunde am Besten übers Lesen läuft, meldet sich auch jetzt wieder vorwitzig. Nee. Gut schreiben ist vor allem viel schreiben. Das heißt, ein Handwerk. Und – noch viel mehr. Aber darüber lasse ich demnächst erst wieder meine Gedanken kreisen. Jetzt heißt es ganz pragmatisch: Abwasch, meine Liebe!
Stephanie Jaeckel 10. Oktober 2015
p.s. Es gibt eine große Angst vor dem Schreiben. Die ist, sogar für professionell Schreibende allerorts präsent. Einerseits in dem oft übermäßigen Respekt vor dieser Tätigkeit („das könnte ich nie“), andererseits in völlig verpeilten Abgabeterminen (entweder sind sie umständlich zu lang oder sie sind so kurz, dass man sich fragt,…). Manchmal versteckt sie sich in der Unsicherheit: „Ob mir dazu überhaupt was einfällt?“ oder in dem Gefühl, dass alles was man schreibt, viel besser zu schreiben wäre. Dem bin ich eigentlich auf der Spur. Aber ich merke, wie versteckt und schillernd dieses Thema ist…
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