Gedichte raus aus den Büchern,

so hörte und las ich neulich Lyriker plädieren, nämlich für die Freilassung der Dichtung aus den Buchdeckeln hinaus in (Kunst-)Welt, wobei es zwei Lager gab, die, die fürs Optische stimmten und Galerien vorschlugen, und die, die akustisch denken und in Hörwelten streben. Tatsächlich hatte ich neulich, als die „Traumfische“ von meinem Freund Dirk erschienen, genau wieder diese Ratlosigkeit: Wie denn lese ich ein Gedichtebuch? Denn auch wenn es schönste Illustrationen darin gibt – Ich finde kein Tempo. Entweder habe ich den Band ratzfatz durch. Oder ich lege das Buch irgendwann weg, weil ich ja lesen will, wenn ich lesen will. Und offensichtlich lese ich keine Gedichte (das verstehe jetzt bitte, wer will). Dirks Gedichte hatten es gut. Die kamen in der ersten Fassung als ausgedrucktes Manuskript auf meinen Schreibtisch. Also ohne Buchdeckel. Da komme ich offensichtlich besser mit zurecht.

Was soll ich sagen? Ich bin ganz dafür, Gedichte anders zu präsentieren. Neulich gab es einen netten Aufruf, Haikus zum Thema „Wörtermeer“ zu schreiben. Die hängen jetzt in einem Schaufenster der Schleicherschen Buchhandlung in Berlin Dahlem. Das gefällt mir. Aber ich träume von einer akustischen Lösung, die sich vom Hörbuch entfernt. Ob mir dazu was einfällt?

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. Avatar von Maren Wulf

    Maren Wulf 24. August 2015

    Und, ist dir schon was eingefallen?
    Das „Wörtermeer“ gefällt mir sehr. Dennoch: Was können die armen Gedichte dafür, dass/wenn LeserIn es nicht hinkriegt, nach dem Konsum eines Gedichts z.B. einfach mal die Buchdeckel zu schließen und eine Wirkpause einzulegen? 😉

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  2. Avatar von Stephanie Jaeckel

    Stephanie Jaeckel 24. August 2015

    Nein, natürlich: Die Gedichte können nix dafür. Ich will sie auch nicht verhackstücken oder die Buchdeckel ein für allemal vernichten. Ich komme damit nicht klar. Und mein Verdacht sagt mir, dass Gedichte möglicherweise so etwas Ähnliches sind wie Lieder. Die vorgetragen werden möchten. Oder Theaterstücke. Die kann ich übrigens leider auch nicht lesen. Absolut nix zu machen. Da kippe ich raus, selbst wenn es Shakespeare ist. Wird aber ein Gedicht mit einer Stimme aufgenommen, ist es festgelegt. Das ist wiederum etwas, was mir nicht so gefällt. Deshalb sind Galerien oder Schaufenster vielleicht besser? Eine Lösung habe ich da noch nicht gesehen.

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