Dass ich nicht gerne mit der Bahn fahre, ist gestern sicher klar zum Ausdruck gekommen. Wo andere freudig mit Stulle, Kaffeekanne und Lieblingsbuch, wahlweise E-Book, Laptop, Aktentasche, in den Zug steigen, packe ich reflexartig nach Eintritt in den Wagon meine Wollsachen aus, verpacke mich wie ein Eskimo und schließe die Augen in der Hoffnung, wenigstens ein bisschen zu dösen. Steige ich aus, fühle ich mich geschleudert wie in einem zweistündigen Waschgang. Keine Ahnung, warum ich da so empfindlich bin. Die Bahnfrage, was ich denn mit meiner geschenkten Zeit in ihrer fahrenden Kühlkiste mache, entlockte mir nur ein grimmiges Lächeln.
Aber es gibt sie, die gut gelaunten Passagiere und ich sah gestern gleich zwei Eltern, eine Mutter mit ihren drei Töchtern und einen Vater mit Sohn, der dann gleich noch ein weiteres Kind unter seine Fittiche nahm, die wirklich vorbildlich mit ihren Kindern gespielt, gelernt, gelesen und Gummibärchen gegessen haben. Kein Genöle, kein Geschimpfe. Echt prima zuzusehen und zu hören. Und dann gab es noch einen supertollen älteren Herren (kein Schönheitskönig, aber einer mit toller Stimme), der sich von seinem am Computer rechnenden Nachbarn Neuigkeiten aus der Mathematik erklären ließ. Der Taxifahrer ganz am Schluss (nee, echt, ich konnte beim besten Willen nicht noch mal mit der Bahn fahren), war auch ein echter Lichtblick. Und während ich frierend durch die Republik döste fiel mir doch eins auf: Wir haben verdammt viel Platz in Deutschland.

mannigfaltiges 14. August 2015
Dafür geht es hinter so manchen Stirnen recht eng her.
LikeLike
mickzwo 15. August 2015
Die machen da machmal so Werbefilme. Vielleicht bist Du da rein geraten 😀
LikeLike
Stephanie Jaeckel 15. August 2015
Autsch! Jetzt dachte ich mal, eine gute Bahnerfahrung gemacht zu haben. Aber wo waren die Kameras? Ich meine, die Kühlkisten wackeln entsetzlich.
LikeLike