Nö. Das ist mal kein Ausbildungsberuf. Das ist eine Aufgabe. Für die man zumindest schreiben können, studiert haben und Geduld aufbringen muss. Die drei Parzen waren in griechischer Zeit die „Sekretärinnen“ Jupiters – natürlich ohne knappen Rock und Schreibmaschine. Sie schrieben das Schicksal fort und archivierten es auch. Mittlerweile gibt es hunderte mehr als drei und unsere Arbeit für ein großes Lexikon wird zu Hause erledigt, nicht im großzügigen Büro Jupiters. Oft gibt es nur knappe Hinweise auf das Leben der uns anvertrauten Schützlinge, allesamt Künstlerinnen oder Künstler in den vorgegebenen Sparten. Wir rekonstruieren deren Lebenswege, suchen nach Spuren, realen und solchen in Büchern, wir schätzen ein und schlagen Bögen zu anderen Künstlerkolleg/innen zu Zeiten, Themen, Orten. Den Lebensfaden schneiden wir nicht ab. Das ist meist schon geschehen. Aber wir drehen den Faden neu, dick oder dünn, farbig, fransig oder fest, damit andere damit ihre Überlegungen verfolgen oder Aufsätze schreiben können. Parze sein ist ein diskreter Beruf. Und eine ungeheure Bereicherung. Denn in der Kunst gilt, was auch sonst: Die Berühmtesten sind nicht unbedingt die Besten…

Simmis Mama 14. Juli 2015
Interessant. Der letzte Satz auch. Den hätte ich gerne mal meinen Kunstlehrern in der Schule erzählt.
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Stephanie Jaeckel 15. Juli 2015
Zum Trost: Wenn man in die Schule geht, weiß man das meistens noch nicht. Und auch wenn man es schon ahnt, hat man natürlich kein gutes Argument. Es lebe das Erwachsen werden 😉
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papiertänzerin 15. Juli 2015
… Lebensfäden zu etwas Neuem verweben, ein schönes Bild (und das heutige Foto erst!)
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Stephanie Jaeckel 16. Juli 2015
Danke. Das Foto sah „in echt“ auch super aus. Nur leider rieselte regelmäßig Staub drauf und irgendwann musste ich dann alles wegwischen. Aber das Bild ist geblieben.
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