Parze sein

Nö. Das ist mal kein Ausbildungsberuf. Das ist eine Aufgabe. Für die man zumindest schreiben können, studiert haben und Geduld aufbringen muss. Die drei Parzen waren in griechischer Zeit die „Sekretärinnen“ Jupiters – natürlich ohne knappen Rock und Schreibmaschine. Sie schrieben das Schicksal fort und archivierten es auch. Mittlerweile gibt es hunderte mehr als drei und unsere Arbeit für ein großes Lexikon wird zu Hause erledigt, nicht im großzügigen Büro Jupiters. Oft gibt es nur knappe Hinweise auf das Leben der uns anvertrauten Schützlinge, allesamt Künstlerinnen oder Künstler in den vorgegebenen Sparten. Wir rekonstruieren deren Lebenswege, suchen nach Spuren, realen und solchen in Büchern, wir schätzen ein und schlagen Bögen zu anderen Künstlerkolleg/innen zu Zeiten, Themen, Orten. Den Lebensfaden schneiden wir nicht ab. Das ist meist schon geschehen. Aber wir drehen den Faden neu, dick oder dünn, farbig, fransig oder fest, damit andere damit ihre Überlegungen verfolgen oder Aufsätze schreiben können. Parze sein ist ein diskreter Beruf. Und eine ungeheure Bereicherung. Denn in der Kunst gilt, was auch sonst: Die Berühmtesten sind nicht unbedingt die Besten…

Filed under: Allgemein
Avatar von Unbekannt

von

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

Hinterlasse eine Antwort zu papiertänzerin Antwort abbrechen