Der richtige Moment

Lange wollte ich mich mit Momenten, seien sie richtig oder falsch, nicht beschäftigen. War es doch eh schwierig, alles mögliche in einen Tag zu packen. Erledigungszettel standen gegen Stunden- und Minutenzeiger, da war für Momente kein Platz. Aber sie waren hartnäckig. Denn sie tauchten immer wieder auf, die richtigen und die falschen. Und irgendwann hatte ich ihr Auf- und Ab zumindest theoretisch kapiert. Vor der To-Do-Liste oder dem Terminplan verloren sie zwar immer noch an Kontur, aber mir war klar, dass es sie gab. Ich legte mir hier Geduld zu, wie ich dort schnelles Zuschlagen übte.

Soweit, so gut. Aber dass es richtige Momente für das Anfangen neuer Arbeiten gibt, das wollte ich nun doch nicht glauben  – Zu groß war meine Angst, in Aufschieberietis zu verfallen. Denn wo etwas noch nicht so weit ist, gell, da muss noch gewartet werden. Aber wer zu lange wartet, dem schwimmen die Felle davon. Mittlerweile versuche ich eine Balance zu halten. Immer mal mit Aufträgen anfangen, aber auch schnell aufhören, wenn nichts vorwärts geht. Dann lieber eine andere Aufgabe auf den Tisch. Diesmal hatte ich zum Beispiel zwei Wochen schon vor, ein bestimmtes Hörstück zu machen. Zwei Wochen, in denen nichts geschah. Heute hat es vier Stunden gedauert, um fertig zu werden. Für mich heißt das Fazit, mutiger zu werden, was das Verschieben angeht. Es gibt immer einen besseren Moment, wenn man sich mordsmäßig überwinden muss. Den Kalender dabei im Auge zu behalten ist kein Widerspruch. Schließlich brauchen Momente auch ihre Zeit.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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