Toller Satz! Leider nicht von mir. Er stammt von dem amerikanischen Lyriker Charles Simic, der nicht nur beim Dichten, sondern auch in Essays immer wieder die Frage umkreist, woraus Gedichte entstehen, was sie sind und vor allem: was sie nicht sind. Besagter Satz leitet folgenden – äußerst klärenden – Absatz ein:
„Es gibt in der Literaturtheorie ein großes Missverständnis darüber, wie die Gedanken in die Gedichte kommen. Man vermutet, dass die Dichter auf eine der beiden Weisen vorgehen: Entweder verlautbaren sie ihre Gedanken direkt, oder sie finden Äquivalente dafür. (…) (Es) wird (…) angenommen, dass der Dichter oder die Dichterin im voraus weiss, was er oder sie sagen will, und dass das Schreiben des Gedichtes die Suche nach den effektivsten Mitteln besteht, diese Gedanken herauszuputzen.
Wäre das richtig, würde Dichtung bloß wiederholen, was zuvor schon gedacht oder gesagt worden ist. Es gäbe kein poetisches Denken, wie Heidegger es begreift. Es gäbe keine Hoffnung, dass Dichtung je etwas mit Wahrheit zu tun haben könnte.“
zit. nach Charles Simic, Die Wahrnehmung des Dichters. Über Poesie und Wirklichkeit, München 2007, S. 55.

Simmis Mama 20. März 2015
Stimme ihm vollkommen zu. Und was hat es nun mit der Sphinx der Katze auf sich?
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papiertänzerin 21. März 2015
… ich lasse mich beim Dichten auch gern überraschen…
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Stephanie Jaeckel 22. März 2015
Tja, wenn ich das wüsste. Ich hab mir die drei als weiche Bälle vorgestellt, mit denen Simic an einem sonnigen Tag jonglierte. Natürlich nur in der Phantasie… – Weiter vorne im Buch schreibt er, dass Dichter/innen die Fähigkeit brauchen, „im Ungewissen zu sein“. Das hätte ja auf jeden Fall etwas mit der Neugier und dem Wunsch, sich überraschen zu lassen zu tun!
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