Unterbrechungen sind die Ungeheuer des Alltags. Meist kommen sie ganz harmlos daher, eine Nachbarin klingelt, weil sie ein Ei braucht, die Freundin ruft an, um ein Treffen zu verschieben, der Postbote bringt ein Paket fürs Vorderhaus vorbei, das Steuerbüro braucht eine Kontonummer, die Sahne ist derweil im Kühlschrank ausgelaufen, und in einer halben Stunde ist doch…!!! Manchmal reicht es an dem Punkt schon, und das Ungeheuer trollt sich. Aber es gibt Tage, da reißen die Unterbrechungen nicht mehr ab: der Tag ein einziger Unterbruch. Und im Kopf werden die gedachten Buchstaben riesengroß: Bloß das nicht auch noch!
Dabei – und das muss ich mir jedes Mal vorbuchstabieren – bedeutet jeder Umweg auch eine Perspektivverschiebung, jede Unterbrechung kann zumindest eine neue Idee zu Tage fördern. Klar, der fünfte einstündige Anruf von Tante, Onkel oder weitläufigem Kunden zerbröselt jeden Arbeitstag. Da möchte ich zu gerne das „Bitte nicht stören-Schild“ auf die Stirn kleben. Nicht selten habe ich in solchen Momenten den Stecker gezogen. Andererseits ist nicht jeder zerbröselte Arbeitstag schon eine Katastrophe. Dann haben wir heute eben mal nichts geleistet! Oder gerade mal mit einem Ei der Nachbarin zum erstklassigen Versöhnungskuchen mit ihrer Tochter verholfen. Einer meiner Vorsätze für das gerade angebrochene Jahr: Streichle die Ungeheuer. Sie sind schließlich das Leben. In diesem Sinne: Bitte stören!

Maren Wulf 15. Januar 2015
Ja, es gibt Wichtigeres als Unterbruch-(was für ein fesselndes Wort!)-freie und Vorhaben-getreue Tage. Wer wollte das bestreiten, gerade auch in diesen politisch brisanten Tagen. „Störungen haben Vorrang“, formulierte die kluge Ruth Cohn. Streicheln wir also die Ungeheuer!
LikeLike
Stephanie Jaeckel 15. Januar 2015
Ja, was! Der Unterbruch. So was gibt es in der Schweiz. Ungeheuer dagegen überall. Man kann sie auch ganz altmodisch Geduldsprobe nennen…
LikeLike
papiertänzerin 15. Januar 2015
… sehr schöner Kontrast zwischen zarten Blütenblättern und ungeheuren Unterbrüchen;-)
LikeLike
Stephanie Jaeckel 15. Januar 2015
Bei Ungeheuern muss man sehr vorsichtig sein: Balance halten heißt hier nämlich, ihnen nur eine hauchzarte Geste entgegen zu setzen. Gleiche Kräfte würden zu kräftigen Katastrophen führen.
LikeLike
papiertänzerin 16. Januar 2015
… das leuchtet mir natürlich ein 😉
LikeLike