Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

same, same, different…

Unser Gehirn ist – wenn ich den Bericht dazu neulich richtig verstanden habe – hauptsächlich damit beschäftigt, Neues mit Bekanntem abzugleichen. „Kenne ich, kenne ich nicht, kenne ich vielleicht…“, so läuft es gebetsmühlenartig durch unseren Kopf, sobald wir die Augen aufschlagen. Bei Gesichtern zum Beispiel kommt es darauf an, möglichst viele gesehen zu haben, um […]

Glücksschweine satt!

Für alle, die wie ich gelegentlich den Montagsblues haben. Diese wundervollen Exemplare sind übrigens nicht nur Handarbeit, sondern auch noch aus den Händen einer schon über 90jährigen Nachbarin. Was ein Glück, dass sie noch nicht im Fernsehsessel versunken ist + ein Hoch auf das Alter: Hipp, Hipp, Hurra!

Grau, hätte ich bis gestern gesagt,

wäre mir jemand mit der Frage gekommen, welche Farbe die Trauer hat. Grau die Trauer, ein verwaschenes Betongrau, endlos, oder so ein Nieselregengrau, das die Tage im Rheinland so unendlich mühsam und monoton bis weit über die Wochenenden und -anfänge machen kann. Schwarz die Verzweiflung. Aber gestern sah ich den Blog „Trauerblau“ (auch bei WordPress) […]

Herbsttag

Drachen sind untrügliche Herbstboten. Äpfel, Igel, Laternen, Kürbisse haben jetzt ihre beste Zeit, unsere Tage liegen über Stunden in der Dämmerung, wir hören Wildgänse am Himmel, geistern durch Nebel (gelegentlich) und freuen uns auf Pilzomelett und Hagebuttentee. Auch, wenn es kaum jemand glaubt: Ausgerechnet der November bringt die intesivsten Farberlebnisse, keineswegs der oft so golden […]

Süßspeisen…

waren im alten Japan kein Nachtisch, sondern, wer so will, ein Teetisch: Süßes Obst und Nüsse, die zum Nachmittagstee gereicht wurden. Im Laufe des 16. Jahrhunderts kam der Zucker über Portugal, China und Indien nach Japan. Die dortigen Köchinnen und Köche ließen sich nicht lange bitten. Doch erst in der Edo-Zeit, also ab dem 17. […]

„Ich aber erwidere, dass ich ein ganz anderer Mensch geworden bin…“

Tatsächlich war Adelbert von Chamisso (Ende Januar 1781 als Louis-Charles-Adélaide de Chamissot auf Schloss Boncourt in der Champagne geboren) von früh an anders. Die Revolution zwang seine Familie ins deutsche Exil, und als es möglich wurde, wieder in die Heimat zu ziehen, war Adelbert unmerklich zu einem anderen Menschen geworden, der in Frankreich ein Deutscher, […]

„Anders“

heißt das neue Buch von Andreas Steinhöfel , das am 1. Oktober im (übrigens sehr wundervollen Königskinder Verlag) erschienen ist. Und eigentlich, so dachte ich, könnten alle bisherigen Bücher von ihm „Anders“ heißen, denn stets erzählt er Geschichten von Menschen, die anders sind, oft am Rand der Gesellschaft stehen oder sich gegen das Unverständnis ihrer […]

Ein Lob des Schlafs

singt die kanadische Schriftstellerin Anne Carson in ihrem Essay „Jeder Abschied eine Ankunft“, der übersetzt 2006 in der „Neuen Rundschau“ erschien. Eine faszinierende Recherche, in der sie dem Schlaf in der Literatur nachgeht, und auch hier die Aufteilung in jene findet, die sich in einen gesunden Schlaf – wie sie schreibt – „retten“ können und […]

Der Traum der Könige

Es waren ausdrücklich Ausländer, die in dem neugeborenen Jesuskind den Sohn Gottes erkannten, Weise aus dem Orient, die seinen Stern hatten aufgehen sehen, wie es im Matthäus-Evangelium (und ausschließlich da) berichtet wird. Sie machten sich auf den Weg, folgten dem Stern, sahen das Kind, fielen vor ihm nieder und huldigten ihm (von sehr großer Freude […]

„Ich gehe täglich in die Landschaft,…“

„… die Motive sind schön, und ich verbringe auf diese Art meine Tage viel angenehmer als anderswo.“ So schreibt Paul Cézanne einen Monat vor seinem Tod an seinen Sohn, der wie er selbst Paul Cézanne heißt. Seine Tage sind gezählt, er fühlt sich verstört, von seinem Gehirn mehr und mehr im Stich gelassen, er lebt, wie […]