same, same, different…

Unser Gehirn ist – wenn ich den Bericht dazu neulich richtig verstanden habe – hauptsächlich damit beschäftigt, Neues mit Bekanntem abzugleichen. „Kenne ich, kenne ich nicht, kenne ich vielleicht…“, so läuft es gebetsmühlenartig durch unseren Kopf, sobald wir die Augen aufschlagen. Bei Gesichtern zum Beispiel kommt es darauf an, möglichst viele gesehen zu haben, um jede kleine Abweichung zu registrieren. Wer ins Ausland fährt, kann sich mühelos davon überzeugen: Die Gesichter von Menschen einer uns bis dahin noch nicht vertrauten Ethnie sind zunächst so schwer zu unterscheiden wie die Gesichter von Tieren (da frage aber mal einer umgekehrt: Krähen sollen in der Lage sein, 200 schon gesehene Menschengesichter voneinander zu unterscheiden…) – Wer auf den Wissensschatz des alten China zurückgreift, wie Anne Carson in ihrem neuen Roman „Anthropologie des Wassers“, mag – je nach Ausgangslage – verdutzt sein oder eben gerade nicht. Dort findet sich die aus heutiger Sicht neuste Erkenntnis als „uralte“ Weisheit notiert: „Etwas ist anders. Etwas ist genau gleich. Etwas ist fast genau gleich. Etwas ist ganz genau nur das, was es ist, und nichts anderes. Etwas ist.“

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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