Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Heute

hänge ich nur ein paar Lampions auf, eine Erkältung vernebelt die Gedanken. Aber einen Klunker habe ich noch: eigentlich eine sehr eigenwillige Übersetzungsarbeit, die George Brecht, seines Zeichens Künstler, Anfang der 1980er Jahre anregte: Er hatte einen buddhistischen Text des chinesischen Meisters Seng Ts’An früh schon gelesen und sich über die unterschiedlichen Transkriptionen gewundert bis […]

geflitzte Linien

Dieser kleine schwarze Berliner hatte einfach den schnelleren Fuß und ist mir aus der Kamera gewutscht, wo ich ihn doch beim Linien ziehen aufnehmen wollte. Eine andere, sehr gerade Linie ist dagegen deutlich zu erkennen, eine die von einem Poller zum anderen führt, auf direktem Weg und damit den Geraden ähnelt, die wir von unseren […]

Linien

durchziehen unser Leben: wenn wir gehen, fahren oder fliegen, wenn wir beim Reden gestikulieren, Geschichten erzählen (oder gar aufschreiben), wenn wir zeichnen, unser Revier markieren (und sei es nur mit strategisch platzierten Blumentöpfen oder dem Klappern mit Tellern). Linien sind Bewegung, und mehr noch: Wissen und Beschreibung. Linien waren ursprünglich geschwungene, gewundene Spuren auf unserem […]

Augen zu und…

Mütze auf. Jetzt nämlich ist es soweit: Berlin ist in der Frostzone angekommen. Derweil zwar erst in den Außenbezirken, im Zentrum (wo auch immer Sie das jetzt gerne verorten) sind es noch ein bis zwei Grad plus. Aber das wird sich spätestens zum Wochenanfang ändern. Der Wind war auch schon arg kribbelig. Gegen den wehrt […]

Im Schatten der Nacht,

die seit Taaaagen in unseren Breiten schon zur besten Kaffee+Kuchen-Zeit hereinbricht, bin ich noch einmal zum Potsdamer Platz gelaufen (in steter Deckung vor einem ziemlich zauseligen Wind). Schließlich wollte ich dokumentieren was ich damit meine, wenn ich gegen eben diesen Platz anpoltere. Also, das ungefähr meine ich: Eine Hochhausdichte, die man so nicht mal aus […]

Orange (3. Teil)

Es muss an der Jahreszeit liegen: In den Supermärkten quellen die Obstkisten über mit Orangen, Nektarinen, Mandarinen und zart rosenwangigen Pampelmusen. Und wenn draußen eine Farbe aufleuchtet, ist es mindestens jedes zweite mal ein Orange. Diesen eindrucksvollen Ausguck (tatsächlich, d.h. in der Architektensprache so etwas wie ein Lichtschacht) habe ich in dem zweiten schönsten Gebäude […]

Im Garagenwald (auch eine überraschende Umnutzung):

Um die Katze gleich aus dem Sack zu lassen: Der Zauberwald, der zur Zeit in der Neuen Nationalgalerie steht, ist – laut Veranstaltungsbroschüre – ein „Prolog auf die denkmalgerechte Sanierung des Museums, die (…) mit Beginn des Jahres 2015 durchgeführt wird.“ Kurz, das schönste Haus am Platz schließt nächstes Jahr, also hurtig noch einmal hinspaziert, […]

Orange scheint die Farbe der Stunde,

um gegen das Grau des einziehenden Winters zu halten. So gesehen vor ein paar Wochen in einer Schrebergartenkolonie in Weissensee. In Goethes Farbkreis fehlt zwar nicht die Farbe, doch ihr heutiger Name: rotgelb/gelbrot nennt der Dichter den kräftigen, zwischen den Primärfarben Gelb und Rot liegenden Ton. Ihren heutigen Namen nach der süßen Zitrusfrucht bekam die […]

glücklich gehen

Dass mit einem Lächeln im Gesicht die Welt schon viel besser aussieht, wissen wir längst, meist aus eigener Erfahrung. Dass wir gut gelaunt anders in die Welt hinausgehen als wenn wir traurig gestimmt sind oder verzweifelt, erleben wir gelegentlich auch am eigenen Leib – mittlerweile ist es sogar wissenschaftlich bestätigt. Die Sache steckt – forschungstechnisch […]

Mit Karacho zu lesen,

die Zeilen zu überfliegen, wie ein Düsenjet die Landschaft unter ihm, kann ein rauschhaftes Erlebnis sein, führt aber nicht selten zu merkwürdig schlierigen (wenn auch leuchtenden oder anderweitig beeindruckenden) Leseerinnerungen. Was ein Glück, dass Bücher nicht fliegen können. Auf diese Weise bleiben sie meist (wenn nicht anderweitig verladen) im Regal und können gerne noch einmal […]