Heute

hänge ich nur ein paar Lampions auf, eine Erkältung vernebelt die Gedanken. Aber einen Klunker habe ich noch: eigentlich eine sehr eigenwillige Übersetzungsarbeit, die George Brecht, seines Zeichens Künstler, Anfang der 1980er Jahre anregte: Er hatte einen buddhistischen Text des chinesischen Meisters Seng Ts’An früh schon gelesen und sich über die unterschiedlichen Transkriptionen gewundert bis amüsiert. Er konnte zwei Freunde für eine neue Übersetzung gewinnen, in der es vor allem darum ging, die verschiedenen Facetten der verschiedenen Sprachen zum Leuchten zu bringen. Ein Beispiel (dem ich mangels chinesischer Tastatur leider nicht das Original beifügen kann):

Not practicing truth-seeking/only by all means cease manifestation. George Brecht

Sinnlos, die Suche nach Wahrheit;/befrei dich nur von deinen Ansichten. Albrecht Fabri

Inutile de rechercher la Vérité/ Abandonner toute opinion suffit. Robert Filliou

Seng Ts’An: Hsin Hsin Ming, engl. by George Brecht…, Editions Lebeer Hossmann, Brüssel/Hamburg 1984. Mir zumindest ist beim Lesen so manches Licht aufgegangen…

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Maren Wulf 2. Dezember 2014

    Sehr interessant, dieser Klunker. Und das Beispiel, das du gewählt hast, ist nicht nur anregend, sondern es zeigt auch gut die Tragweite des Übersetzens: Zwischen einer Ansicht / einer (französischen oder auch englischen ) opinion einerseits und ihrer Manisfestation andererseits scheint mir doch ein beträchtlicher Bedeutungsunterschied zu liegen. Das Bild gefällt mir auch gut.

    Gefällt mir

  2. Stephanie Jaeckel 3. Dezember 2014

    George Brecht hat sich im Vorwort augenzwinkernd über seine Übersetzer-Freunde mokiert: Er selbst habe eine – wie er es nennt „minimale“ – Übersetzung versucht, während Robert Filou eine „minimale Interpretation“ und Albrecht Fabri eine verlängerte deutsche Fassung aus seiner eigenen Sicht geschrieben habe. Zusammen gibt es manchmal ein regelrechtes Bedeutungsfeld, in dem man eine Weile herumlaufen kann. Danke für das Foto-Lob: das freut mich sehr!

    Gefällt mir

  3. Pingback: Blogbummel Dezember 2014 | buchpost

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s