Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Rollenspiel

Mal davon abgesehen, dass sie mittlerweile sehr selten geworden sind – gab es diese Autoaccessoires eigentlich auch noch in anderen Ländern? Ich bin als Kind nicht so weit rumgekommen und deshalb sind mir diese Klorollenbepüschelprinzessinnen nur von deutschen Autobahnen her bekannt. Ätsch, scheinen sie durch das Heckfenster zu rufen, wir sind organisiert für den Fall […]

Sekunde zu verplanen!

Das Jahr wird eine Sekunde länger. Nanu. Ja, aber – warum denn nicht? Wo alle doch ständig…. Also, wer dringend noch eine Sekunde braucht: In der Nacht zum 1. Juli fügt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt eine Schaltsekunde in ihre Zeitsignale ein. Wertvolle Zeit. Wer will, kann also schon mal vorplanen.

Ausgang

Leider ist er selten markiert, im „wirklichen“ Leben, der Ausgang, hinaus ins Freie, in die Stille, heraus aus dem Konflikt oder aus einem Tumult. Der Griff zu einem Buch ist gelegentlich so ein Ausgang, aber er endet nicht selten in einem neuen Labyrinth aus Gefühlen, Taten und Gedanken. Ebenso der Schlaf, der einen in Sicherheit […]

Gehorsam

Nee. Da braucht man dieser süßen Zottellady bloß in die Augen zu sehen (grüne Gewitterblitze kündigen es an) – Gehorsam ist nicht so ihr Ding. Aufstehen und ins Körbchen gehen? Wozu das denn? Wo es auf dem Wohnzimmerkissen so gemütlich ist, selbst wenn der kantige Knochen unter einem liegt. Was? Wie? Immer noch ins Körbchen? […]

Gibt es das?

Das Eine oder Andere, das sich jeden, aber auch wirklich jeden Abend wiederholt? Der Nachthimmel, die Müdigkeit, das Zähneputzen? Die Erleichterung, dass soweit alles oder vieles gut gegangen ist? Lust, noch etwas zu hören oder zu sehen, Freunde zu treffen oder ein Abenteuer zu wagen? Die Kür des Tages hinzulegen oder die Wäsche zu bügeln? […]

Ein Häuschen ganz für mich,

auf einer Insel, mit Meerblick und vielleicht mit dieser Feigenbaumkrone. Das wünsche ich mir manchmal. Wenn es in der Stadt zu laut ist, zu voll und meine Gedanken um Dinge kreisen wie Fliegen um stinkige Reste. Mein Dach würde rauschen bei jedem Wind, der aufkäme und ich säße morgens, in der Dämmerung mit einem heißen […]

Für immer

Liebe, Freundschaft, Tod. Hier geht es für Menschen um immer und ewig, und so groß das Pathos ist, so banal ist (gelegentlich) die Wirklichkeit. Wer ewige Liebe geschworen hat, mag Zweifel kennen. Auch beste Freund/innen sind schon auseinander gegangen. Einzig der Tod hält sich an sein Versprechen. Tot bedeutet für immer tot. Und dieses „für […]

Der richtige Moment

Lange wollte ich mich mit Momenten, seien sie richtig oder falsch, nicht beschäftigen. War es doch eh schwierig, alles mögliche in einen Tag zu packen. Erledigungszettel standen gegen Stunden- und Minutenzeiger, da war für Momente kein Platz. Aber sie waren hartnäckig. Denn sie tauchten immer wieder auf, die richtigen und die falschen. Und irgendwann hatte […]

Vernachlässigte Kunst

Das mögen sich Entscheider und Beauftragte meist anders vorgestellt haben. Ein Kunstwerk an eine Stadt oder eine Firmensammlung zu verkaufen, ist – wie man meinen möchte – eine Win-Win-Situation. Die Künstler/innen hoffen auf Aufmerksamkeit, die Ankäufer auf Prestige. In westdeutschen Groß- und Kleinstädten, in Provinznestern, gelegentlich auch in Dörfern war der Bedarf groß nach dem […]

Laute(r) Fragen

Selbst schuld. Erst hole ich mir Padgett Powells Buch – nein, es ist eindeutig kein Roman – ins Haus „The Interrogative Mood. A Novel? – dann besorge ich mir Sarah Bakewells Montaigne-Biografie, die in zwanzig Antworten auf die Frage „Wie soll ich leben?“ das Leben Montaignes beschreibt. Seitdem wimmelt es in meiner Wohnung von Fragen. […]