Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Neustart

Oder: wenn sich das Leben revidiert. Ich bin Anfang der 1990er Jahre nach Berlin gekommen. Nicht nur, um hier zu studieren. Sondern auch – und vielleicht vor allem – um meinen Eltern so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen. Ich bin ein Einzelkind und hatte das Pech, in der Beziehung meiner Eltern die […]

Um es nicht ganz zu vergessen:

Es ist Sommer. Und auch wer nicht viel Zeit hat, oder Ruhe: rausgehen, Freund*innen treffen, und ja: Regenspaziergänge sind auch toll. Lieblingsklamotte anziehen (und nicht im Schrank vergessen), Beeren gibt es gerade in Hülle und Fülle. Die sind auch einfach so lecker. Da muss kein aufwändiges Beiwerk drumrum. Kurz: Lasst es Euch gut gehen.

Moment vs. Dauer

Wenn ich sage, dass es eine Zeitreise war, mag der Begriff im ersten Moment verwirren. Weil wir bei dem Wort unwillkürlich an die Reise in eine andere Zeit denken, gerne an die Kindheit, wenn es sich um eine Reise in die Heimat handelt. Aber es war ganz anders. Allein schon, weil ich mit der Bahn […]

und wo ich gerade dabei bin…

Lieblingsbücher wieder aus dem Regal zu ziehen. Hier noch eins: Anne Carson: Anthropologie des Wassers. Berlin 2014 (Original 1995) „Wasser ist etwas, das du nicht halten kannst. Wie Männer. Ich habe es versucht. Vater, Bruder, Geliebter, wahre Freunde, hungrige Geister und Gott – alle haben sich meinen Händen entzogen, einer nach dem anderen. Vielleicht muss […]

Noch mal nachgedacht…

Nein, so schlimm ist es nicht: ich lese keineswegs bloß noch „Klassiker“ über 100. Ich lese – aber auch das mag meinem Alter geschuldet sein – einige Bücher ein zweites oder sogar drittes Mal. Tatsächlich auch mit größtem Gewinn. Denn viele Bücher habe ich als junge Frau gemocht. Aber kaum verstanden. Wenn man denn überhaupt […]

Schreiben und Lesen. Ein Essayband von Ulla Hahn.

Ich werde älter. Und das Lesen passt sich nicht mehr so mühelos in meinen Alltag wie einst. Die Augen wollen abends nicht so recht, die Zeit rast schneller denn je, und ja, mir werden Bücher weniger wichtig. Deshalb tue ich mich schwerer mit der Auswahl und lege Angelesenes bald weg, wenn es keine Begeisterung oder […]

Überrollt werden

Es gibt diese Zeiten, in denen scheinbar alles gleichzeitig passiert. Wie eine Lawine, ein Sturzbach saust (hauptsächlich) Ungemach über einen hinweg, Tageszeiten verschwimmen, Wochen schrumpfen auf wenige Tage, Alarm an allen Ecken und Enden. Und dann kehrt Ruhe ein. Oder zumindest eine Atempause. Bin ich noch da? Wie herb sind die Verluste? Gab es vielleicht […]

Verdrängungsleistung

Bei einigen Dingen denke ich gerne „ich doch nicht“. Natürlich weiß ich – aber damit bin ich wahrscheinlich nicht alleine… Neulich ist mir etwas eingefallen. Einfach so, aus heiterem Himmel. Ein so abstruser Moment, so irreal, dass ich ihn damals erst einmal gar nicht begriffen habe. Wahrscheinlich kennt Ihr das Fluggeräusch eines Gewehr- oder Pistolengeschosses […]

Sibylle Lewitscharoff (1954-2023)

„Wie fein die Toten hören! Zu einem Riesenohr vereinigt, segeln ihre Ohren am Himmel und überspannen ihn zu weiten Teilen. Was sich von Zungen löst, was sich in Hirnen formt, erzählte Worte, geträumte Worte, Worte ohne Klang, sie. alle werden vom Großen Totenohr. erlauscht. Es wedelt, es fächelt, es zuckt wie ein Elefantenohr im Takt […]