Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Die Buchmesse

Nein. Ich habe nicht ein Buch gesehen. Aber ich war auch nicht zum Stöbern angereist. Ich hatte einen Workshop vorbereitet, zuerst ging es deshalb auch für mich ins Kongresszentrum. Und als ich gestern, also Samstag, endlich in den Messehallen war, – voll ist gar kein Ausdruck! Was mir gefällt: Früher waren die kostümierten Besucher*innen noch […]

Dem Sterben zusehen

Aus dem Fernsehen sind wir einiges gewohnt. Kriegstote gehören fast schon zum täglichen Brot – zumindest in Krisenzeiten. Es ist immer ein ungutes Gefühl, das Drama im eigenen Zimmer zu haben, gleichzeitig keine – oder gefühlt unpassende – Emotionen zu spüren. Sterben wiederum ist uns fremd geworden. Selbst in Pflegeheimen bleibt das Gespräch darüber ausgespart. […]

Gespenster

Sie sind da. Seit mein Vater im Sterben liegt, kommen sie ganz nah. Sie umkreisten mich erst, ich wurde krank, sehr wackelig und aufnahmebereit für ihre Botschaften. Sie meinen es ernst. Jetzt kann ich einigen von ihnen ins Gesicht sehen. Sie kommen nicht oft. Die Atmosphäre um mich herum ist wie abgeriegelt. Ich höre andere […]

Motivation

meine hängt gerade durch wie diese weiße Tulpe im Baum. Woher nehmen? Wie ein Mantra sage ich mir vor: Es ist nicht nur Alltag, es ist auch Dein Leben. Und nein. Kein Spass. Einfach nur etwas mehr Karacho. Welche Freiheit nehme ich mir? Welche unangenehme Sache kann ich angehen (ich kenne doch das tolle Gefühl, […]

Etwas nicht (nie) können

Ich habe gestern in der ZEIT einen Artikel über eine Amerikanerin gelesen, die seit 30 Jahren ohne wesentlichen Erfolg surft. Der Sport ist ihr Hobby. Die Geschichte wäre nicht der Rede Wert, wenn – ich meine, wir kennen alle diese Hobby-Künstler*innen, Sportler*innen, Sänger*innen, Autor*innen, die im Grunde nicht aus dem Knick kommen mit ihrem Freizeitvergnügen […]

Tod und Hoffnung

Im Grunde wiederholt sich diese Vorstellung jedes Jahr, wenn auch, wie es scheint, jedes Jahr ein bisschen früher: die Wiederkehr des Lebendigen nach den dunklen Wintermonaten. Früher fand ich es schön. Mittlerweile greift mich dieses neue Wachsen tiefer an. Als Trost. Und als ein Frohsein, das über mich hinausgeht. Mir steht auch Hölderlins Begeisterung für […]

Absolute Beginners

Wenn nicht mehr viel geht: etwas Neues anfangen. Wenn ich zurück blicke, habe ich oft zu diesem Strohhalm gegriffen. Und auch, wenn ich längst kein Allroundgenie geworden bin: hier und da mal reingeschnuppert zu haben, war nie verkehrt. Seit letztem Jahr bin ich Senioren-Balerina. Nein: Spitzentanz wird nicht mehr drin sein. Aber ich lerne Haltung, […]

Was mir nicht gut tut

Zu den festen Glaubenssätzen zeitgenössischer Großstadtbewohner*innen gehört der von der permanenten Reizüberflutung. Er besagt, dass wir täglich und auch nachts von abertausenden Reizen überflutet werden, und deshalb so gestresst sind, müde, grau und unausgeglichen. Regelmäßige Ratschläge ziehlen auf Entschleunigung, auf Wellness und alles, was uns gut tut. Ganz so, wie ich heute in einer Artikel-Überschrift […]