Eine tolle Überraschung

Gestern war es wärmer als erwartet. Und weil ich Zeit hatte, bin ich aufs Tempelhofer Feld gefahren. Um das jetzt gleich nochmal laut zu schreiben: Dieses Feld ist ein großes Geschenk. Mittlerweile sind einige Areale so schön zugewachsen, dass man nix mehr von der Stadt sieht. Und diese Momente, die ich als Großstädterin kaum noch erinnere: an einer großen Rosenhecke (nein: riesigen Rosenhecke) vorbeizukommen, in der es zwitschert. Also murmelnd zwitschert. Und beim genauen Hinsehen: Stare! Die ganze Hecke voll.

Ich hatte eine Tüte Walnüsse gekauft. Ich bin ja mittlerweile Krähen-Fan. Und wollte denen vom Feld was mitbringen. Das hat schon mal gut geklappt. Sobald ich auf einer Bank sitze und sehe, dass eine guckt, hole ich die Tüte raus, nehme eine Nuss und halte sie hoch. Die Krähe legt den Kopf schief. Guter Anfang! Dann werfe ich die Nuss in Richtung Krähe. Die fliegt erst mal weg, guckt aber. Und kapiert: Die Nuss ist für mich! Kommt vorsichtig, holt sich die Beute und fliegt damit auf die Rollbahn, um sie zu knacken.

Jetzt kommt der komplizierte Teil. Ich hatte mir nämlich folgendes ausgedacht: Ich werfe den Krähen Nüsse zu. Und dann sammele ich vor deren Augen Kronkorken aus der Wiese. Die sind ja schlau. Und Kronkorken kennen die, da verwette ich meinen Kopf. Mein Deal: Ihr bekommt Nüsse und helft mir bei den Kronkorken… Naja. Schon klar, dass sowas Monate, vielleicht Jahre dauern könnte. Aber eben. Warum nicht mal probieren? Und dann die Überraschung:

(Fast) keine Kronkorken! Ich war letzte Woche unterwegs, um welche zu sammeln. Und es war derer kein Ende. Ich hätte Stunden weitermachen können, hatte mir aber die Wade gezerrt und bald humpelnd das Feld verlassen. Und gestern? Alles picobello! Ich habe mich gewundert, gefreut und laut gelacht: Das Feld wird regelmäßig gereinigt und ich hatte es bislang noch nicht mal gemerkt. Danke Berlin! Und eben: Natürlich rege ich mich weiter auf, dass viele Leute ihren Müll sehr gedankenlos einfach weg werfen. Aber weil ich endlich mal selbst den Arsch hochbekommen habe, konnte ich überhaupt erst bemerken, dass mehr getan wird, als ich dachte. War das schön.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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