Eigentlich hat er sich selbst eingenistet. Hin und wieder stellten Nachbarinnen und Nachbarn ihre sterbenden Topfpflanzen in den Hof. Dann kam mal eine edle Rose als Liebesgabe für eine Angebetete, dann ein paar Tulpen. Und immer mal wieder Töpfe, die keine Verwendung fanden, aber für die Mülltonnen einfach zu schade waren.
Ich habe keinen grünen Daumen. Aber zum Glück ist die Natur ziemlich robust. Langsam wurde es grüner im Hof. Und auch, wenn die Fläche nach wie vor sehr klein ist, vielleicht 4 Quadratmeter plus drei kleine Hochbeete, hat in diesem Sommer die Sonne nicht ihre volle Kraft durchsetzen können. Die grünen Geister waren fleißig am Schattenspenden. Und zum ersten Mal eigentlich wurde mir klar, dass die kleine Oase nicht nur was für die Augen ist (auch wenn sie wild und struppig sicher keine Gärtnermedaille gewinnen könnte).
Die eigentliche Überraschung kam vorletztes Wochenende. Ich bin mit meinem Handy mal durchs Dickicht gekrochen und habe mir unbekannte Gewächse per App identifiziert: Am Ende hatte ich 12 Gäste ausgemacht, die ich sicher nicht angesiedelt habe. Und die wahrscheinlich von den Vögeln oder Eichhörnchen angeschleppt wurden:
Das Zimbelkraut (sehr hübsch), das behaarte Knopfkraut (naja), die Kohl-Gänssedistel (die Bienen freuen sich), der Purpurstorchenschnabel (so schön!), eine Sal-Weide (nanu!?), das Feinstrahl-Berufkraut (schöne Deko für Kuchen), das Klettenlabkraut (gegen Ohrenschmerzen, hab ich aber sehr selten), der Echte Hopfen (prost!), die gerippte Schwammgurke (???), die gewöhnliche Waldrebe, Schöllkraut und Flohknöterich (auch wirklich hübsch).
Die größte Freude hat mir jedoch der kleine Feigenbaum gemacht, den ich im Winter habe erfrieren lassen. Er ist wieder da! Ich schwöre, ich passe die nächsten Monate besser auf ihn auf.
