Positive Kommunikation für Führungskräfte

Ich muss gestehen, als ich den Buchtitel sah, war ich kurz davor, das Buch wieder weg zu legen. Denn wenn ich eins nicht will, dann wie eine Führungskraft kommunizieren – zumal mir „Positive Kommunikation“ aufs erste Hören gefährlich nah an „Gewaltfreie Kommunikation“ kommt, der ich zutiefst misstraue. Einzig die Autorin Ewa v. Latoszek weckte meine Neugier, ich kenne sie flüchtig und ja — ich klappte das Buch auf.

Vorab: Es ist tatsächlich ein Fachbuch und es richtet sich an Führungskräfte, die wissen, dass ihre Stimme im Beruf Gold wert ist. Aber: Reden müssen wir alle. Vor allem miteinander. Und an diesem Punkt spricht für mich nichts dagegen, mein eigenes Sprechen noch einmal in den Fokus zu nehmen. Um auch im Alltag verständlicher und vor allem auch freundlicher zu reden.

Wenn ich den etwas gestelzten Begriff „Kommunikation“ beiseite lasse, und überlege, was ich eigentlich will, wenn ich mit jemandem spreche, dann fällt mir der Begriff „überzeugen“ ein. Ja, überzeugen möchte ich auf beruflicher oder privater Ebene, wenn ich versuche, mein Gegenüber auf einen Punkt aufmerksam machen, den ich entscheidend finde. Das hat nichts mit „über-den-Tisch-ziehen“ oder mit „überreden“ zu tun. Es geht nicht um Manipulation, sondern um nachvollziehbare Argumente.

Respekt, Wertschätzung, Lösungsorientierung sind Aspekte der „positiven Kommunikation“. Nach dem Googeln weiß ich, dass es den Begriff schon seit den 1980er Jahren gibt und dass er seit den 2000er Jahren zusammen mit der „Positiven Psychologie“ eine deutlich klarere Ausrichtung hat. Es scheint also um eine echte Alternative zum Business-Speech zu gehen, um ein Sprechen, das zumindest nicht Verkaufen oder Täuschen will.

Nun, sprechen kann jede*r. Aber nicht alle werden gehört. Die Erfahrung musste auch ich machen. Ich habe eine schöne Stimme. Aber wenn ich vor anderen reden muss, geht sie schnell unter. Weil ich das weiß, habe ich mich beruflich aufs Schreiben verlegt. Um so spannender fand ich deshalb das Black-Box-Modell, das Ewa v. Latoszek gleich im 2. Kapitel über die Stimme entwickelt. Denn, so klar es ist, dass eine Stimme untrennbar mit der sprechenden Person verbunden ist, so unklar ist es oft, welche Blockaden eine an sich schöne oder freundliche Stimme zum Schweigen bringen. Keine Sorge, es folgt kein unausweichlicher Weg zur Therapie! Meist reicht es, unserer Inneren Stimme, also derjenigen, mit der wir selbst zu uns sprechen, genau zuzuhören. Denn diese Innere Stimme ist oft ungeduldig, fast schon schlecht gelaunt oder miesepetrig. Freundlicher zu sich selbst sein, hilft manchmal, große Hürden beim öffentlichen Sprechen zu nehmen. Und natürlich Sprechtraining, von dem es in Latoszeks Buch mehr als genug gibt. Ich habe mir einige Übungen herausgepickt, die ich morgens am Schreibtisch laut vor mich hin spreche. Denn der erste Anruf kommt garantiert. Und es schön, da sofort den freundlichen Ton zu treffen. Außerdem sind die Übungssätze meist so witzig, dass ich sogar am Montagmorgen was zu lachen habe.

Dass die Selbstdarstellung, also vor allem Kleidung und Haltung, wichtig fürs Sprechen sind, kommt in diesem Fachbuch ebenso zur Sprache wie die für Menschen wie mich so unangenehme Herausforderung von Small-Talk oder Video-Konferenz. Pffff… Ewa v. Latoszek hat zum Glück tolle Beispiele aus ihrer Arbeit als Sprechtrainerin und Coach, so dass mir als Leserin alles lebendig vor Augen steht und mich anspornt, eigene Erfolge zu erzielen. Und ja. Ich möchte tatsächlich eine bessere Small-Talkerin werden. Weil mir  während der Lektüre klar geworden ist, wie wichtig dieses oft belächelte und extrem verkannte Sprechen mit Fremden eigentlich ist: Nur hier lernen wir aus erster Hand unbekannte Dinge kennen, hier kommen wir mit neuen Ideen oder Sichtweisen in Kontakt, ohne gezielt danach suchen zu müssen.

Für Freiberufler*innen ist dieses Buch auf jeden Fall lohnend. Aber auch für Menschen, die sich einfach interessanter und interessierter austauschen wollen.

Ewa v. Latoszek: Positive Kommunikation für Führungskräfte – Stimme und Sprache im Beruf – Strategien für mehr Sicherheit und Charisma. Wiesbaden 2025. https://doi.org/10.1007/978-3-658-49174-1

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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