Danke sagen

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Eltern mir das „Danke“ nicht nur als Vokabel, sondern auch als Geste beigebracht haben: mit der Holzhammer-Methode. Denn jedes Mal, wenn jemand nur halbwegs nett zu mir war und sie daneben standen, kam die Frage: „Und was sagt man jetzt?“ Ich fühlte mich vorgeführt wie ein abzurichtender Pudel, verdrehte genervt die Augen und presste ein wenig entspanntes „Danke“ hervor. Fürchterlich peinlich.

Das Gefühl blieb lange. Nicht etwas Nettes – und vor allem freiwillig – zu sagen, sondern eine Floskel zu bedienen, eine Erwartung zu erfüllen. Einfach nur zu gehorchen. Wie schade. Denn, tja, ein Danke kann einem wirklich den Tag retten.

Beruflich schreibe ich viel. Das ist hauptsächlich Terminarbeit und alle sind froh, wenn ich meine Texte pünktlich liefere. Mir ist klar, dass ich nicht jedes Mal ein Danke bekomme. Ich bin ja auch froh, und das ist oft schon Belohnung genug. Seit einiger Zeit schreibe ich wieder häufiger Rezensionen. Und was mich erst erstaunte, und jetzt jedes Mal wieder richtig freut: Die Leute bedanken sich. Künstler*innen und Galerist*innen sind natürlich auf Feedback angewiesen. Aber häufig sind Gespräche für Interviews für sie eine eher seltene Gelegenheit, über die eigene Arbeit zu reflektieren. Das war mir gar nicht so klar, und zeigt, dass meine Arbeit sogar noch einen weiteren Nutzen hat, als bloß zu informieren.

Kurz, ich bekomme häufiger mal ein nettes Dankeschön per E-Mail und staune, wie froh mich das macht. Und? Natürlich kann ich das auch: Danke zum Beispiel an Euch und Eure Kommentare! Und mit Ausblick: Allen ein schönes kommendes Wochenende!

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 9

  1. Avatar von piri

    piri 19. Juni 2025

    Kommentare sind rar. Ich weiß sie persönlich sehr zu würdigen und jetzt sage ich einmal Dankeschön für deinen Danke-Beitrag – er zeigt nämlich auf, dass ein ehrlicher Dank viel bewirken kann. Zwischenmenschlich und sowieso!

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  2. Avatar von Zoé

    Zoé 6. Juli 2025

    Genauso habe ich auch das Danke-sagen eingetrichtert bekommen. Deswegen wollte ich nie die Scheibe Wurst beim Schlachter annehmen. „Nein, danke“ gab es bei uns nicht, ich konnte stumm den Kopf schütteln. Auch heutzutage werden die Kids oft noch angeblafft, wenn man ihnen ein Tütchen Gummibärchen über die Theke reicht, deswegen lege ich die Gummibärchen meist vor die Eltern, dann müssen die sich mit bedanken.

    Natürlich ist es mir heutzutage nicht mehr peinlich danke oder bitte zu sagen. Gelernt ist gelernt😉Danke für deinen Beitrag.

    Sonntägliche Grüße, Zoé

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