Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Eltern mir das „Danke“ nicht nur als Vokabel, sondern auch als Geste beigebracht haben: mit der Holzhammer-Methode. Denn jedes Mal, wenn jemand nur halbwegs nett zu mir war und sie daneben standen, kam die Frage: „Und was sagt man jetzt?“ Ich fühlte mich vorgeführt wie ein abzurichtender Pudel, verdrehte genervt die Augen und presste ein wenig entspanntes „Danke“ hervor. Fürchterlich peinlich.
Das Gefühl blieb lange. Nicht etwas Nettes – und vor allem freiwillig – zu sagen, sondern eine Floskel zu bedienen, eine Erwartung zu erfüllen. Einfach nur zu gehorchen. Wie schade. Denn, tja, ein Danke kann einem wirklich den Tag retten.
Beruflich schreibe ich viel. Das ist hauptsächlich Terminarbeit und alle sind froh, wenn ich meine Texte pünktlich liefere. Mir ist klar, dass ich nicht jedes Mal ein Danke bekomme. Ich bin ja auch froh, und das ist oft schon Belohnung genug. Seit einiger Zeit schreibe ich wieder häufiger Rezensionen. Und was mich erst erstaunte, und jetzt jedes Mal wieder richtig freut: Die Leute bedanken sich. Künstler*innen und Galerist*innen sind natürlich auf Feedback angewiesen. Aber häufig sind Gespräche für Interviews für sie eine eher seltene Gelegenheit, über die eigene Arbeit zu reflektieren. Das war mir gar nicht so klar, und zeigt, dass meine Arbeit sogar noch einen weiteren Nutzen hat, als bloß zu informieren.
Kurz, ich bekomme häufiger mal ein nettes Dankeschön per E-Mail und staune, wie froh mich das macht. Und? Natürlich kann ich das auch: Danke zum Beispiel an Euch und Eure Kommentare! Und mit Ausblick: Allen ein schönes kommendes Wochenende!

piri 19. Juni 2025
Kommentare sind rar. Ich weiß sie persönlich sehr zu würdigen und jetzt sage ich einmal Dankeschön für deinen Danke-Beitrag – er zeigt nämlich auf, dass ein ehrlicher Dank viel bewirken kann. Zwischenmenschlich und sowieso!
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Stephanie Jaeckel 19. Juni 2025
Eben. Kostet fast nix (außer einen Moment der Aufmerksamkeit) und kann wirklich beflügeln. In diesem Sinne + herzliche Grüße!
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Myriade 19. Juni 2025
Es gibt aber auch ein inflationäres Bedanken und Bedanken fürs Bedanken. Das ist zur leeren Floskel verkommen.
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Stephanie Jaeckel 19. Juni 2025
Ach, das ist interessant. Das kenne ich gar nicht. Vielleicht ist Berlin da mal wieder extra-maulfaul. Aber klar, ein Danke sollte mehr sein, als eine Floskel. Das ist dann ja eher öde.
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Myriade 19. Juni 2025
Ziemlich öde, ja . Zum Beispiel im Aufzug mit oberflächlich bekannten Nachbarn: Tür auf –> danke, bitte, bitte, Wie gehts? ja, danke gut. Tür auf –> danke, bitte, Haustür aufhalten –> danke, bitte, einen schönen Tag –> danke–> gleichfalls __> danke . Uffff 🙂
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Stephanie Jaeckel 19. Juni 2025
Das ist – ja, o.k. Ich gehe, so ich kann, Treppen rauf und runter. Aufzug ist mir ein Greuel. Jetzt weiß ich auch, warum 😉
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Myriade 19. Juni 2025
🙂 🙂
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Alexander Carmele 22. Juni 2025
Berlin ist absolut und extra-über maulfaul. Schön gesagt.
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Zoé 6. Juli 2025
Genauso habe ich auch das Danke-sagen eingetrichtert bekommen. Deswegen wollte ich nie die Scheibe Wurst beim Schlachter annehmen. „Nein, danke“ gab es bei uns nicht, ich konnte stumm den Kopf schütteln. Auch heutzutage werden die Kids oft noch angeblafft, wenn man ihnen ein Tütchen Gummibärchen über die Theke reicht, deswegen lege ich die Gummibärchen meist vor die Eltern, dann müssen die sich mit bedanken.
Natürlich ist es mir heutzutage nicht mehr peinlich danke oder bitte zu sagen. Gelernt ist gelernt😉Danke für deinen Beitrag.
Sonntägliche Grüße, Zoé
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