Unangenehme Überraschung

Gestern bin ich in der Berliner U-Bahn attackiert worden. Zum Glück ist nichts weiter passiert, aber der Schreck sitzt mir noch immer in den Knochen. Weil ich natürlich das erlebte, was man bei Gewalt oder anderen Katastrophen meist als Erstes denkt: Ach so. Das kann also auch mir passieren…

Dass anderen etwas passiert, dass jemand angerempelt wird oder angeschrieen, dass Streitereien eskalieren. das habe ich alles schon erlebt. Aber immer als Zuschauerin. Dieses Mal war es anders. Und ich hatte wirklich Glück. Denn ich war so in Gedanken, als ich in die schon ziemlich volle Bahn einstieg, dass ich gar nicht richtig merkte, dass einer der Passagiere auf Krawall gebürstet war. Er saß auf einer Dreierbank, zwei Plätze waren noch frei und ich wollte mich dort hin setzen. Der Typ schrie mich an, ich solle verschwinden, aber ich war so erschöpft, ich ließ mich einfach fallen. Er ist dann sofort aufgesprungen und hat sein Schlüsselbund nach mir geworfen. Das ging so schnell, dass ich gar nix kapiert habe. Der Schlag war heftig, aber er hatte mich nur an der Schulter erwischt. Im Gesicht wäre es möglicherweise krass geworden.

Und dann folgte etwas sehr merkwürdiges. Der Typ verschwand in der Tiefe des Abteils. Er rannte weg. Und ließ sogar sein Schlüsselbund am Boden liegen. Erst da ungefähr hatte ich verstanden, was gerade passiert war. Ich wunderte mich natürlich, ein erster Reflex wollte, dass ich nach dem Schlüsselbund greife. Aber das habe ich gelassen. Erst jetzt sprach mich ein Mann von gegenüber an, ob ich verletzt sei. Immerhin…

Nein, ich hatte heute keine Angst, als ich in die S-Bahn gestiegen bin. Gewalt ist allgegenwärtig in Großstädten. Sie kann immer und überall urplötzlich eskalieren. Dennoch hat dieser Moment meine Stimmung verändert. Ich fühle mich tatsächlich angreifbarer. Und ich habe mir geschworen, aufmerksamer zu sein, wenn ich mit Öffis unterwegs bin.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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