im Leben sind möglicherweise die, die sich wiederholen.
Die beiden höchsten Feiertage im Jahr haben den Vorteil, gleich zwei, und damit dann eigentlich drei freie Tage zu bieten. Zeit, innezuhalten. Zeit auch – zumindest für ältere Menschen – zurückzublicken.
Wann war ich eigentlich besonders enttäuscht, habe ich mich gestern gefragt. Was waren die schmerzhaftesten Niederlagen, Trennungen, Sackgassen?
Trennungen fühlen sich für mich tatsächlich meist wie Niederlagen an. Auch, wenn klar ist, dass beide Seiten besser mit einem Abschied bedient sind, weil das voneinander Loskommen eine Befreiung ist. Keine Strafe, kein Versagen, kein Kummer für ewig. Mittlerweile bin ich sogar froh, manchmal ohne großes Drama gehen zu können. Weil ich die Welt mir eben nicht so machen kann, wie sie mir gefällt. Und ich akzeptieren kann, dass andere andere Wünsche oder Ziele haben.
Dennoch lag in einigen meiner Trennungen eine riesige Enttäuschung. Weil ich spürte, dass die Männer, die ich nun mal besonders liebte, sich von mir bedroht fühlten. Dass sie glaubten, ich wolle sie manipulieren. Sie von sich wegbringen. Sie unterwerfen.
Was für eine Ungeheuerlichkeit.
Ein Mann, den ich unterwerfe, wird ein Diener. Er ist dann kein Gegenüber mehr, sondern ein Pantoffelheld. Nichts gegen Männer in Pantoffeln (oder – hm, naja, geht so… – ich trage aber auch keine…), doch was ist langweiliger als eine Person, die so agiert, wie ich mir das wünsche.
Ich habe lange Gedankenkreise gedreht. Denn das Motiv ist geradezu klassisch, wie Prince es knapp und (ja, doch) vulgär auf den Punkt gebracht hat: Pussy control.
Das kann ich natürlich nicht einschätzen. Mir schwant, dass es viel mit der jeweiligen Mama zu tun hat. Und dass gerade Frauen, die reden wollen (dazu gehöre ich nun mal), die größeren Angstgegnerinnen sind.
Was mich so unglaublich traurig daran macht, ist die Ohnmacht, mit der ich vor diesen Vorwürfen stand. Wie sollte ich mich denn verteidigen? Wer sich von mir manipuliert oder kontrolliert fühlt, verwendet alles gegen mich. Es ist dieses entsetzliche „die Worte im Mund verdrehen“. Es gibt eine alte Geschichte, „Erec“, entstanden im 12. Jahrhundert. Sie erzählt von einer dieser traurigen Begegnungen. Wenn auch mit einem sehr späten Happy End. Liebe schlägt in Hass um. Vertrauen verwandelt sich in Misstrauen. In die Angst, von der Liebsten ausgelöscht zu werden.
Nein. Meine Trennungen waren keine großen Dramen mit Literaturpotential. Aber es waren Momente größter Verzweiflung. Ich konnte nur aufgeben und meiner Wege ziehen. Ich konnte einen geliebten Menschen nicht von meinem Wohlwollen, schon gar nicht von meiner Liebe überzeugen. So fühlt sich Scheitern an. Und das lässt sich nicht schön reden.
Keine Frage. Enttäuschungen gehören dazu. Ich habe ja auch immer wieder genau das Gegenteil erlebt, große Momente, in denen meine Gegenüber mich als Verbündete, als Freundin, als Geistesverwandte erkannt und geliebt haben. Dass man nicht erkannt wird, gehört vermutlich zu den ebenso großen Lebensmomenten dazu. Und macht ja vielleicht auch das eigene Bild erst aus: Weil ich eben nicht genau so bin, wie andere mich sehen.

Ruhrköpfe 20. April 2025
Danke 🙏 Ein großes Gedanken anregendes Thema, das so viele Bereiche in Partnerschaften betrifft…dazu fällt mir so viel ein, das hier leider den Rahmen sprengen würde. Herzliche Grüße und frohe Ostern, Annette 🙂🐰🌷🍀💕
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Stephanie Jaeckel 21. April 2025
Es war im ersten Moment etwas unangenehm. Wer schreibt schon gerne übers Scheitern. Aber es gibt immer zwei Seiten (mindestens), und das Leben läuft nicht nur nach Plan A. Tatsächlich ist mir aus diesen Situationen die Erkenntnis geblieben, dass ich nicht die bin, die andere in mir sehen. Auch das kann traurig und vor allem einsam machen. Aber es ist für mich eine wichtige Lektion. Danke für Deine Rückmeldung! Frohe Ostern!
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Ruhrköpfe 22. April 2025
„nicht die bin, die andere in mir sehen“ – das trifft es ziemlich gut und ist mir sehr vertraut. Liebe Grüße, Annette
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