dachte ich gestern beim Aufräumen, und war wirklich überrascht. Erstens, weil das ein Gedanke war, der so plötzlich aus dem Nichts kam, dass ich mich ganz überrumpelt fühlte. Zweitens, weil ich seit Jahrzehnten schreibe ohne – zumindest die meiste Zeit – je groß darüber nachgedacht zu haben. Klar, bei der Wahl des Berufs zeigte sich schnell, dass Schreiben einen großen Teil meiner Arbeit ausmachen würde. Aber das war eher so wie, „kann ich, mach ich“.
Ich bin eine Art Kampfschreiberin: Mich hinzusetzten, Gedanken zu ordnen (ja, auch erst mal welche haben), fällt mir schwer, ich musste ringen, es gab Tage, an denen schaffte ich nur einen Satz, und ich litt oft unter der Einsamkeit am Schreibtisch. Nie gab es diese luftigen Momente, in denen ich irgendwo saß, ein Heft und einen Stift in der Hand, wo die Ideen mir nur so zuflogen, und ich wie im Rausch schrieb.
Das ist wohl eher der Typ Handwerkerin. Ich lerne, ich übe, ich hatte – und das überrascht mich gerade auch ziemlich – mit meinem Schreiben eine große Geduld. Immer wieder übernahm ich Texte, die ich so noch nicht geschrieben hatte und übte dort, schneller, flüssiger zu werden. Ich hatte dabei häufig die Momente des Zweifels, ich wusste nicht, was zu sagen. Und dann bleibt natürlich auch der Text stecken.
Im letzten Jahr, als ich mich um meinen Vater gekümmert habe, war nicht so viel Schreibarbeit. Da ist mir aufgefallen, dass mir etwas fehlt. Aber dass ich es richtig gerne tue!? Ja. Schöne Einsicht. Sicher nichts, was jetzt bis ans Ende meiner Tage so bleibt. Aber ich nehme es als etwas, was zu mir gehört.

piri 13. Januar 2025
Ich tät jetzt gerne eine g‘scheiten Kommentar schreiben, denn ein bisschen habe ich auch mich erkannt in deinem Text. Dann dachte ich, es steht mir nicht zu. Mach die Tür leise wieder zu, aber einen Gruß lasse ich da.
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