Klar Schiff machen

Das Gefühl überfällt mich häufig am Jahresende. Aufräumen zu wollen. Dinge auszusortieren. Etwas Verschieben. Neue Nischen schaffen. Neue Konstellationen. Ballast abwerfen (nur, welchen?)

Und dann räume ich so ein bisschen rum. Denn, ja, auch Aufräumen braucht eine zündende Idee. Wo zu große Unordnung herrscht, reicht es eigentlich nicht, Dinge wieder an ihren Platz zu stellen, legen, setzten. Der Platz selber steht zur Disposition.

Manchmal hilft es, Dinge auszusortieren. Aber was ist dann wichtiger als was? Was kann weg? Was sollte vielleicht auch endlich mal verschwinden? Weil – es gibt in meinem Haushalt durchaus sentimentale Erinnerungen an Momente, die sich später als Irrtum herausstellten. An sich ja auch nicht so schlimm. Oder sogar umgekehrt: gute Hinweise auf die Lügen der eigenen Gefühle.

Aufräumen bedeutet immer wieder auch, sich selbst neu zu buchstabieren. Bin ich noch die Fuchsmaske vom vorletzten Jahr. Oder wäre die mir jetzt peinlich? Bin ich die Glitzerjeans, die Lieblingsschale aus meinen 30er Jahren, der Fehlkauf von neulich, der zumindest praktisch erscheint?

Brauche ich noch CD’s, wenn ich doch so gut wie keine Musik mehr höre. Oder wird sich das wieder ändern, ganz so, wie es sich häufig wieder geändert hat? Brauche ich die alten Tagebücher, in denen Namen stehen, deren zugehörige Menschen ich nicht mal mehr erinnere? Brauche ich mehr Ordnung oder vielleicht nur andere Farben?

Vielleicht ist das Aufräumen oft auch deshalb so schwierig, weil es einen ganzen Schwarm anderer Fragen nach sich zieht. Oder die Hausmülltonne schon wieder bis zum Rand voll ist, und das Ausmisten eh besser verschoben werden sollte. Aufräumen kann Tage dauern. Vielleicht reicht es deshalb, hier und da mal etwas in die Hand zu nehmen, alte T-Shirts auszusortieren, abgelaufene Mehltüten zu entsorgen. Wenn ich in die Bewegung des Umstellens komme, ist möglicherweise schon ein guter Anfgang gelegt. Und meine neue Ordnung wird in den nächsten Tagen Gestalt annehmen.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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