Meine Wahrheit, was das Schreiben angeht, ist eher bedrückend: Ohne Computer hätte ich nie auch nur einen „professionellen“ Satz geschrieben.
Die Einsicht kam mir, als ich über das Schreiben mit Federn las, und wie widerspenstig diese Art für die Schreibenden war. Denn so eine Feder musste nach vielen Regeln erst mal angespitzt werden. Und auch den Tintenfluss galt es zu beachten, sonst kleckerte die Feder nur vor sich hin. Ein Geduldsspiel, auch etwas, was Training bedurfte. Davon mal ganz abgesehen, dass man als Schreibende:r immer ein paar Federn bei sich haben musste. Mal eben eine Feder kaufen, war damals nicht.
Und bei mir wird es eng, wenn der Strom ausfällt.
Wie kommt es, dass ich die Widerständigkeit des Schreibens nicht beherrsche? Ist es einfach mangelnde Geduld? Oder wäre es am Ende doch möglich? Also wie wenn man umgekehrt doch noch zum Start findet? Immerhin liebe ich Papier in allen Formen. Als große Bögen, schön in Hefte formatiert, als Blocks, Briefseiten, Karten, was auch immer…
Könnte es sein, dass ich das Einhändige schwierig finde? Ich war als Kind in der Lage, mit der linken Hand zu schreiben, etwas, was mir natürlich abgewöhnt wurde. Kein Drama damals. Aber vielleicht mag mein Hirn beim Schreiben lieber zwei Hände ansteuern, als nur eine. Zugegeben, eine eigenwillige Diagnose… Aber vielleicht ist was dran. Weil ich mir diese Abneigung gegen die Handschriftlichkeit nicht erklären kann.
Umgekehrt: Toll, dass es Computer gibt, und dass ich diesbezüglich zur „richtigen“ Zeit geboren wurde. Der leere Bildschirm hat für mich eine nie endende Faszination. Als ob es ein Raum wäre, vor dem die Buchstaben erscheinen. Nicht auf einem Material, sondern davor – ähnlich wie in einem Film. Wie wenn es eine „automatische“ Distanz zwischen mir und dem Text gibt, die ich brauche, um das Geschriebene als zu bearbeitendes Material zu verstehen.
Was ich meine: Schreiben ist extrem eigen. Jeder Mensch schreibt anders. Und wer Lust dazu hat, sollte rumprobieren. Nichts muss, alles kann (hihi). Im Grunde geht es nur darum, Kopf und Hände zu verbinden. Oder aber es mal mit der Stimme zu probieren. Andy Warhol hat nur diktiert. Und auf diese Weise tolle Bücher geschrieben.

Grinsekatz 26. Dezember 2024
Ich habe vor fast einem Vierteljahrhundert angefangen, zu schreiben. Zu Beginn stand der dringende Wunsch nach Unabhängigkeit, ich wollte meinen Schriftverkehr selbst regeln. Mit liniertem Block und Kohlepapier.
Dann hatte ich den ersten Internetanschluss, das war 2002. Von nun an lernte ich, wo ich konnte, Rechtschreibung, Grammatik, Satzstellung. Bis heute habe ich keine Regel verinnerlicht und schreibe aus Intuition, das googeln ist seltener geworden. Wichtig ist, ich muss etwas zu sagen haben. Oder einen emotionalen Impuls, den ich versuche, gedanklich in Worten zu beschreiben. Dann fließen die Worte 🙂
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Stephanie Jaeckel 26. Dezember 2024
Unabhängigkeit finde ich einen interessanten Punkt. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber klar, das ist wahrscheinlich der Motor für alles „selber machen“. Rechtschreibung, Grammatik sind im Übrigen meine ganz großen Schreckgespenster. Kann ich nicht besonders gut. Meine Texte haben immer Fehler. Da habe ich überhaupt keine Geduld mit. Schreibimpuls, ja, hast Du das mal beobachtet, was Dich zum Schreiben bringt? Oder ist das einfach ganz unterschiedlich?
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Grinsekatz 26. Dezember 2024
Oft gibt es Notwendigkeiten, mich in Wort und Schrift ausdrücken zu müssen. Schreibe ich hier, bewegt mich etwas, ohne einen Tiefenimpuls geht es nicht. Das gilt auch für gelegentliche Kurzgeschichten wie die Drabbles – am Anfang steht ein Eindruck, ein Gefühl, eine Berührung, oder eine gefühlte Erinnerung.
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frauhemingistunterwegs 26. Dezember 2024
Ich habe schon des Öfteren versucht, wie große Schriftsteller*innen zu schreiben: an einem schönen Plätzchen im Garten, in ein tolles Notizbuch unterwegs, von einem Hotelzimmer mit fantastischem Ausblick. Schließlich musste ich mir eingestehen, dass ich die besten Geschichten per Computer an meinem wie immer unaufgeräumten Schreibtisch verfasse. Die Idee zur Geschichte muss ich mir aber immer von woandersher mitbringen und sie im Kopf von der einen auf die andere Seite geschoben haben.
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Alexander Carmele 29. Dezember 2024
Verrückt – bis vor wenigen Momenten habe ich gar nicht gewusst, dass Andy Warhol Bücher diktiert hat. Gibt es da eines im Besonderen, das du mir ans Herz legst?
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Stephanie Jaeckel 29. Dezember 2024
From A to B and back again wäre vielleicht der beste Einstieg. Das Buch wurde als seine „Philosophy“ herausgegeben, und ist vielleicht die Essenz seiner Texte. Als großer Warhol-Fan habe ich auch die Tagebücher gelesen. Sie sind von größter Monotonie, aber einfach auch witzig. Das ist aber vielleicht eher ein Buch, dass Du mal aus der Bibliothek holst, um reinzulesen.
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