Ach ja.

Gibt es etwas, was ich dieses Jahr gelernt habe?

Die Frage steht mir früher oder später in jedem Dezember vor Augen. Nix zu machen. Die kommt. Und dann schaue ich zurück, und sehen meistens nur Dinge, die ich immer wieder versemmele. Ich kann gut nicht-lernen.

Aber diesmal kam eine Antwort: Ich muss nicht.

Klingt wie eine Altersweisheit. Aber da will ich mal vorsichtig sein. Weil es eigentlich etwas ist, was man nicht früh genug verstehen kann. Natürlich gibt es Gegebenheiten. Die Schwerkraft. Verträge oder Familie. Dennoch habe ich immer die Möglichkeit, etwas anders zu versuchen. Wenn es zu schwer wird. Wenn sich etwas nicht mehr gut anfühlt. Wenn es mich auslaugt. Oder mir das Gefühl gibt, rennen zu müssen.

Ich muss nicht. Außer eine Alternative vorzuschlagen, wo ich in etwas eingebunden bin. Das ist für mich eine Wende. Denn ich verstehe, dass ich – obwohl ich grundsätzlich akzeptiere, dass nicht alles so laufen kann, wie ich mir das wünsche – Nein sagen kann. Das ist ein neuer Horizont.

Ich bekomme zum Beispiel ein Angebot. Das ist richtig toll. Aber es gibt einen Punkt, der für mich nicht passt. D.h. an diesem Punkt sind Bauchschmerzen für die nächsten 10 Jahre garantiert. Dennoch ist das Angebot toll. So, wie ich gestrickt bin, würde ich die Bauchschmerzen akzeptieren. Aber ich habe verstanden, dass ich das gar nicht kann.

Man sollte niemanden zu etwas zwingen. Auch nicht sich selbst. Das ist befreiend. Bedeutet aber auch, dass ich genau schaue, was geht und was nicht. Wer sich dauernd in Zeitnot fühlt, wird spätestens hier wieder schlechte Laune bekommen (oder Bauchschmerzen).

Wenn ich aber verstehe, dass Verhandlungen zum Leben dazugehören, ist auch die Suche nach einer Alternative keine lästige Pflicht mehr. Gleich koche ich mir einen Kaffee und überlege mal. Gar kein schlechter Move für den 2. Advent…

Das Foto zeigt eine Arbeit, die ich in einem Workshop-Raum des Museums Ludwig in Köln gemacht habe. Es gab keinen Hinweise auf die oder den Urheber/in. Ich nehme das Foto selbstverständlich sofort aus dem Blog, falls gewünscht. Noch lieber jedoch nenne ich den Namen, denn ich finde das Bild hinreißend.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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