Ich hatte gerade einen richtigen AHA-Moment. Also eine Tür öffnete sich, wo eben noch dicke Wand – und vor allem kein Weiterkommen war. Und jetzt ist zwar alles so wie vorher, in einem anderen Licht jedoch sieht es eben nicht nur anders, sondern viel, viel besser aus.
Es gibt nämlich Phasen, in denen ich viel You-Tube schaue. Und wirklich nur Trash. Und dann denke ich, Wow. Wie blöd ist das denn? Du vertrödelst Deine kostbare Zeit. Wie kommst Du bloß dazu.
Ein Teil meiner Trash-Begeisterung bezieht sich auf queere Formate. Ich schaue mit Begeisterung Princess Charming, früher auch Prince Charming oder Charming Boys. Und dazu die Kommentare, vor allem von Annika Zion und Silvi Carlsson. Eine andere Begeisterung habe ich für chinesische Soaps.
Annika und Silvi machen gerade ein gemeinsames Vodcast übers Fan-Sein. Und Guilty Pleasures sind im ersten Gespräch Thema. Und da ging dann für mich die Tür auf. Weil die scheinbar „verschwendete“ Zeit auch einfach nur Spass sein könnte. Klar könnte ich in der Zeit die Küche putzen, die nächsten Artikel schreiben oder „Sinnvolles“ tun. Vor allem, weil ich immer wieder meine Mutter vor Augen habe, die am Ende ihres Beruflebens eigentlich nur noch vor der Glotze hing, und von da zügig in ihre Alzheimer-Erkrankung rutschte. Das ist mir so eine schlimme Erinnerung, dass ich dauernd fürchte, da auch zu enden.
Aber es kann eben auch ganz anders sein: Mir macht etwas ziemlich banales Spass. Wobei, wenn ich Silvi und Annika zuhöre, ist es manchmal vielleicht gar nicht so banal. Sondern auch ein Blick in andere Welten, zu denen ich halt nicht gehöre. Die queeren Formate zum Beispiel machen wirklich was mit mir. Ich würde mal sagen: was positives. Und chinesische Soaps spielen in einer so anderen Welt. Ich meine, da will ich nun echt nicht hin. Aber sowas gibt es.
Ich verstehe: Mein Leben kann nicht nur aus sauber abgearbeiteten Pfichten und verdienten Vergnügungen bestehen. Das ist kein gutes Leben. Das ist eine abgearbeitete To-Do-Liste. Die komischen Sachen, die ich gar nicht genau beschreiben kann, die mir das Gefühl geben, süchtig zu sein, weil ich es mir nicht anders erklären kann, sind die Hindernisse zur garantiert blütenreinen Weste. Mit der ich nie und nimmer rumlaufen möchte. Es ist das Widerständige. Das Unsichtbare. Das mich eben auch ausmacht. Vielleicht muss das so.

jazleenkrushansky1998 8. Oktober 2024
wow!! 53Guilty pleasure
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Stephanie Jaeckel 8. Oktober 2024
;-))))))
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