Schmutzige Hände?

Grundsätzlich schreibe ich nicht aus meinem Arbeitsalltag. Jedenfalls nichts aus den unerfreulichen Zonen des Berufslebens, die sicher alle von uns kennen. Hellhörig geworden bin ich jedoch bei einem Satz, und darüber möchte ich berichten. Nicht um Steine loszutreten. Sondern weil es meiner Erfahrung nach um ein grundsätzliches Problem geht. Aber der Reihe nach:

Im Dresdner Albertinum war eine Ausstellung geplant („Das Jahr 1983“), die kurz vor der Eröffnung von der Gastkuratorin Zoé Samudzi abgesagt wurde. Ein ziemliches Unding im Museumsbetrieb, will sagen, da muss schon echt was gewesen sein. Jahrelang vorbereitete Ausstellungen werden nicht für nichts abgesagt.

„(Sie) haben mich behandelt wie ein ungezogenes Kind“ – so lautet der Satz, der in meinem Kopf laut wiederhallt. Und dazu der Anlass des Missvernehmens: Meinungsverschiedenheiten um „sensible Sprache und Kontextualisierung“ (so bei Spiegel-online zu lesen).

Worum es ganz genau geht, und wie der Streit zustande kam, kann und will ich hier nicht erörtern. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung schreiben, dass es gerade in Dresden an dem von der Direktorin Marion Ackermann garantierten „gewaltfreien Räumen“ mangelt, dann zumindest, wenn es sich um auswärtige Mitarbeiter*innen handelt. Ich habe mir bei den Gelegenheiten, bei denen ich in der SKD tätig war, Dinge anhören müssen, die so demütigend waren, dass ich sie beim besten Willen nicht vergessen kann. Die lächerlichste war, ich sei aggressiv, weil ich einem Drachen (es handelte sich um eine Kinderführung) Feuer spucken ließ und Krallen gab, mit denen er schon mal Papiergeld (natürlich lieben Drachen Gold und können mit Geldscheinen wenig anfangen) vernichten, oder auch dem Tod in Form eines Gerippes zu Leibe rücken wollte.

Mir wurde mit allen Mitteln gezeigt, dass ich aggressiv, unsensibel und (ja, leider auch) dumm bin. Dazu dann unglaublich lustige Aufgaben wie den Satz „Die Diener reichten den Jägern die neu geladenen Gewehre“ zu gendern. Was eine Freundin von mir brillant löste: „Die Diener reichten den Jägern die neu geladenen Gewehrinnen.“ Klar, dass niemand lachte (nein, ich habe es auch nicht geschickt…)

Einer ausschließlich für das Texten von Informationen (schlecht) bezahlten Autorin immer wieder an den Rand zu schreiben „stimmt so nicht“ ist natürlich auch nicht wirklich zielführend. Und nicht nur unsensibel, sondern geradezu boshaft. Ich bin nicht für Recherche, schon lange nicht für Forschung zuständig, die Museumsleute freuten sich jedoch Bolle, mich wie ein dummes Schulkind zu behandeln. Es gab Ausnahmen. Aber die waren am Ende zu wenig, um mich noch einmal dazu zu bewegen, für die SKD zu arbeiten.

Fairness, Augenhöhe und Respekt sind Tugenden, die auch schlecht bezahltem Personal entgegen gebracht werden sollten. Wenn ein Haus über Jahrzehnte nicht dazu bereit ist, schleicht sich ein unguter Ton, eine ungute Atmosphäre ein. Und die müssen die Leute, die dort arbeiten, am Ende ja auch selbst aushalten. Wenn wir es nicht schaffen, in Museen, die ja gerade zu den fast schon wichtigsten öffentlichen Räumen geworden sind, in denen noch diskutiert werden kann, also wenn in diesen Museen Maulkörbe aufs Gröbste verteilt werden, statt offenes Sprechen, und damit auch Streiten samt Meinungsverschiedenheiten zu garantieren, sehe ich schwarz. Insofern geht es mir keineswegs nur um Dresden. Sondern darum, nicht „geschützte Räume“ zu garantieren, sondern einfach nur Wohlwollen beim Zuhören. Niemand muss beschützt werden. Wir sollten alle in der Lage ein, mit offenem Visier unsere Sicht der Dinge darzulegen.

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Avatar von monsieurquirit

    monsieurquirit 26. Juni 2024

    Ich war gerade ion Dresden und war sehr angetan von der Samlung und den Räumlichkeiten. Da merkt man natürlich nichts von den Hintergründen, von denen du schreibst. Oft sitzen Menschen in einer Position, deren Anforderungen sie nicht bewältigen können. Dann versuchen sie möglicherweise wie ein angeketteter Hund laut zu bellen und zu beißen.

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    • Avatar von Stephanie Jaeckel

      Stephanie Jaeckel 26. Juni 2024

      Ja, Sammlung und Schloss sind hinreißend. Da gibt es kein Wenn und Aber. Ich habe mich jedes Mal auf die Zusammenarbeit gefreut. Eben wegen der hohen Qualität. Und klar. Oft entstehen Unfreundlichkeiten aus Überforderung. Das kenne ich auch von mir. Aber das ist dort leider Alltag geworden. Und da bin ich raus. Externe Mitarbeiter*innen sind ja nicht die Punch-Bälle für Fest-Angestellte…

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