Etwas nicht (nie) können

Ich habe gestern in der ZEIT einen Artikel über eine Amerikanerin gelesen, die seit 30 Jahren ohne wesentlichen Erfolg surft. Der Sport ist ihr Hobby. Die Geschichte wäre nicht der Rede Wert, wenn – ich meine, wir kennen alle diese Hobby-Künstler*innen, Sportler*innen, Sänger*innen, Autor*innen, die im Grunde nicht aus dem Knick kommen mit ihrem Freizeitvergnügen und stoisch auf niedrigstem Niveau weitermachen. Und eben. Ich gehöre dazu. Alles, was ich je in der Freizeit gemacht habe, scheiterte. Ich bin nie wirklich gut in etwas geworden. Es blieben Misserfolge auf der ganzen Linie. Mich hat das schon öfter beschäftigt. Auch, dass mich die Misserfolge zwar unmutig gemacht haben, aber nie wirklich entmutigen konnten. Es war eher so, als habe ich hier und da meine Nase mal reingesteckt, um zu sehen, was alles geht (halt ohne mich).

In dem Artikel ging es dann tatsächlich noch um mehr, nämlich die Frage, warum wir oft denken, wir müssten gut in etwas sein. Warum wir immer etwas können sollen. Wie oft musste ich mir anhören, es liege ja nur an mir, etwas zu lernen. Und meine Einwände, dass ich nun mal nicht handarbeiten kann oder dass mir eine Fahrradreparatur zur Katastrophe wird, wurde mit dem Einwand weggewischt, dann hätte ich mich eben nicht genug angestrengt. Man könne schließlich alles lernen.

Nein, sage ich jetzt. Ich kann nicht alles lernen. Es gibt Begabungen. Nicht, dass ich mich auf Ausreden verlegen will. Ich kann nämlich auch nicht gut putzen. Aber ich weiß, dass ich dranbleiben werde.

Der entscheidende Punkt ist aber der: Ich kann etwas nicht können, und trotzdem Spass daran haben. Weil alles, was ich versuche, Horizonte öffnet. Oder mich und meine grauen Zellen in Bewegung setzt. Ich fotografiere weiter lausig, und oft mit zweifelhaften Ergebnissen (s.o.). Aber es bleibt ein Spass, den ich nicht missen möchte, vor allem jetzt, wo die Sonne lacht. Und ihr so? Habt ihr Hobbies? Doch, ja, würde mich interessieren.

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Avatar von Unbekannt

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 23

  1. Avatar von Alexander Carmele

    Alexander Carmele 3. März 2024

    Laufen, Tischtennis spielen, in denen es vor allem um die Freude an Bewegung geht – und Literatur-Bloggen, ohne auf irgendetwas als die eigene Leselust zu achten. Ich finde, dass der Wettbewerb hilft, richtig betrachtet und angenommen, um mehr aus sich herauszukitzeln. In diesem Sinne (im Sport, nicht in Kunstdingen) ist der vermeintliche Gegner eher der Partner, der einen zu Höchstleistungen anspornt. Dann ist es doch egal und weiß heißt schon „gut in etwas sein“?

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    • Avatar von Stephanie Jaeckel

      Stephanie Jaeckel 3. März 2024

      Ja, da bin ich bei Dir. Die „Konkurrenz“ als Motor zu verstehen, nicht als Gegner, das ist einfach toll, und öffnet eben viel Platz nach oben. Aber es ging mir beim Schreiben gar nicht so sehr um die anderen, sondern darum, dass ich etwas mache, ohne wirklich zu besseren Ergebnissen zu kommen. Ich bin oft enttäuscht gewesen, dass ich nicht voran komme. Am schlimmsten eigentlich mit meiner Stimme, die gar nicht mal so schlecht ist. Aber zum Laut-Lesen oder zum Singen fehlt mir einfach was. Da kann ich so viel Unterricht nehmen, wie ich will. Ich habe eben gemerkt, dass sich viele Menschen über ihr Hobby definieren. Weil sie eben etwas gut können. Das war auch lange ein Punkt für mich, enttäuscht zu sein. Aber die Perspektive dreht sich auch für mich langsam. Denn wer sagt denn, dass etwas nur dann Identität stiftet, wenn ich es kann? Ich bleibe dran…

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  2. Avatar von piri

    piri 3. März 2024

    Zu deiner Frage woran ich Spaß habe, es aber nicht kann, möchte ich sagen, dass ich gerne lebe, es aber nicht gescheit auf die Reihe kriege, weil ich denke, dass mir so manche Umstände immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen.
    Ist das jetzt zu ernst? Zu philosophisch. Zu abwegig?

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    • Avatar von Stephanie Jaeckel

      Stephanie Jaeckel 3. März 2024

      Das erinnert mich an einen Satz von Andy Warhol, der sagte, Leben (und damit meinte er den Alltag) sei schon Arbeit genug. Irgendwie hat mich das erleichtert, damals als ich das gelesen habe, weil ich immer schon das Gefühl hatte, mit dem ganzen Gedöns zwischen Aufstehen und zu Bett gehen komplett ausgefüllt zu sein. Ich habe sogar heute manchmal das Gefühl, dass die eigentliche Brotarbeit wie eine Art Hobby ist, für die ich Zeit freischaufele, und ich verstehe jede*n, die oder der länger im Büro bleibt, um nicht nach Hause in den Alltag zu kommen. Also, für mich kein abwegiger Gedanke – oder ich habe was falsch verstanden.

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  3. Avatar von derdilettant

    derdilettant 3. März 2024

    Ich empfehle sehr die Lektüre von Rick Rubin, kreativ. Da steht alles Wesentliche drin. Die Vorstellung, dass uns vermeintliche Autoritäten sagen, was wir gut, mittelgut oder gar nicht können, ist komplett antiquiert. Out of date bzw. of order. Aus und vorbei. Wer immer etwas mit Leidenschaft macht, schafft ein ganz persönliches Werk, das in die Welt hinaus wirkt. Etwas anderes ist die kommerzielle Seite. Geht es mir ums Geldverdienen, sind natürlich ein paar andere Aspekte zu beachten. Geht es mir um Anerkennung oder Ruhm, sind noch wieder andere Dinge zu beachten. Und so weiter. Aber die Finger von etwas lassen zu sollen, nur weil man es angeblich nicht gut kann, ist, Entschuldigung: das Letzte. Herzliche Grüße!

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    • Avatar von Stephanie Jaeckel

      Stephanie Jaeckel 3. März 2024

      Da bin ich mir tatsächlich nicht ganz sicher. Es gibt in allen möglichen Fertigkeiten Maßstäbe. Ich denke nicht, dass das etwas mit Autoritäten zu tun hat, sondern mit Möglichkeiten. Es gibt im Sport, in der Kunst und wo auch sonst noch verschiedene Nieveaus. Die ich eben erreiche oder nicht. Es ist natürlich egal, wenn ich etwas als Hobby mache, wie weit ich meine Fertigkeiten ausbilden kann. Und es sollte natürlich kein Grund sein, etwas nicht zu verfolgen, nur weil ich kein Niveau – welcher Art auch immer – erreiche. Aber es gibt die eigene Enttäuschung. Dass ich etwas übe und übe und übe und am Ende kann ich es eben nicht. Das frustriert mich. Und da frage ich mich schnell, bin ich zu blöd? Zu ungeschickt? Zu ungeduldig (haha, hier liegt bei mir tatsächlich ein Hase im Pfeffer)? Aber eben, und da teile ich Deine Einschätzung unbedingt, es geht auf eine Art eben auch um Kommunikation, darum, Dinge zu machen und damit in Kontakt zu anderen Menschen zu kommen, sich auszutauschen, Erfahrungen zu machen. Da schraube ich dran…

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      • Avatar von derdilettant

        derdilettant 3. März 2024

        Vielen Dank, ich verstehe deine Anregung jetzt noch etwas besser. Für mich sind das zwei grundlegende Fragen: Gibt es in Bezug auf menschliche Fertigkeiten objektive Qualitätskriterien? Eindeutig: ja. Mit der Einschränkung: sie gelten jeweils innerhalb eines kulturell gesteckten Bezugssystems. Habe ich persönlich einen Spielraum im Finden und Verstärken genau der Fertigkeiten, die mir wichtig sind? Ja. Und hier liegt der Kern des Ganzen. Wenn du enttäuscht bis von dem, was du tust bzw. glaubst „erreicht“ zu haben, dann liegt der Fehler in dir. Ein Beispiel. Ich bin Pianist (nicht professionell). Wenn der Maßstab meines „Gelingens“ ist, eine Tonleiter so spielen zu können, wie ein Horowitz sie aus dem Ärmel schüttelte, habe ich verloren. Aber mit gleichem Denken hätte auch ein Horowitz verloren. Denn er scheiterte mehrfach im Laufe seiner Karriere daran, seine pianistischen Möglichkeiten nicht auf der Bühne präsentieren zu können. Will sagen: jeder strebt das nächst höhere „Niveau“ an. Absolut gesehen ist egal, wo auf dieser „Leiter“ du dich befindest. Es sei denn, dir geht es um die Gesellschaft der „richtigen“ Leute (beispielsweise Profis etc.) Dann musst du natürlich Bedingungen erfüllen, die diese Leute vorgeben. Tust du es für dich, dann gibt es kein von außen gesetztes „Niveau“. Ich als Pianist vergleiche mein Spiel nicht mit Schallplattenaufnahmen. Ich spiele in m e i n e r „Liga“. Und ziehe daraus Glücksmomente. Unterschätze nicht die Fähigkeiten von Menschen, sich anstecken zu lassen von tiefer innerer Begeisterung über das, was ein anderer tut, ohne dabei „Normen“, „Niveaus“ etc. im Blick zu haben.

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        • Avatar von Stephanie Jaeckel

          Stephanie Jaeckel 5. März 2024

          Es geht mir tatsächlich darum, dass ich vieles nicht kann. Da gibt es dann nicht mal ein persönliches Niveau. Es geht ums Scheitern. Und wie ich damit rumkomme. Ich frage mich, wo kann ich da dann für mich weitermachen oder eben aufhören? Und muss ich das als Misserfolg werten? Oder anders: Wie komme ich aus diesem Machbarkeits-Denken raus, ohne mich im Scheitern zu bedauern. Oder zu denken, ich wären irgendwie unterlegen.

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