Meine große Herausforderung

Egal, wie ich es drehe und wende. Am Ende scheint mir meine größte Aufgabe immer wieder – und gegen alle Logik und alle Bemühungen – das Nicht-Tun zu sein. Ich schreibe ausdrücklich nicht „Nichtstun“, weil es in dem, was ich meine, eher um ein Geduldspiel geht, um die Notwendigkeit, einem Impuls nicht nachzugeben und statt dessen abzuwarten. Etwas nicht zu tun, obwohl es ansteht, macht in meinem Leben eher wenig Sinn. Denn es gibt weder Heinzelmännchen noch -mädchen, die sich erbarmen, und die Sachen für mich erledigen. Was aber eine immerwährende Herausforderung ist: Nichts zu tun, obwohl nix passiert und ich den dringenden Wunsch verspüre, irgendwas zu machen, damit dieser Stillstand endet. Und es wieder Grund zur Aktion gibt.

Nichttun hat ein schlechtes Image. Es wird mit Passivität gleichgesetzt. Oder mit Fantasielosigkeit. Mit Antriebsschwäche, Faulheit, mangelnder Energie, mangeldem Ehrgeiz oder Selbstvertrauen. Dabei ist Nichttun eben auch ein Verzicht auf Kontrolle. Und Mut, etwas Unerwartetem zu begegnen.

Deleuze spricht einmal davon, dass er sich „auf die Lauer legt“. Was vermutlich auch etwas von diesem Nichttun beinhaltet. Denn Nichttun ist eben auch eine Art aufmersamem Innehaltens. Wie wenn Hunde, Katzen oder Füchse scheinbar entspannt irgendwo sitzen, aber tatsächlich die Ohren in alle Richtungen gehen und die Nasen verdächtig zucken. „Auf Empfang gehen“, „Antennen ausfahren“ – wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, welche Antennen ich überhaupt zur Verfügung habe.

Egal. Ich probiere das jetzt mal. Stillsitzen und lauern. To wait and to see. Ende erst einmal offen.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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