In Kunst verlieben?

Was ist es, das uns für Bilder, für Skulpturen oder Bauwerke begeistert? Ich fühle mich vor einem Kunstwerk stets wie eine Art Echoraum oder Resonanzkörper, oder so ein Lackmus-Streifen, der reagiert: ja/nein/ein bisschen/gar nicht…

Das hat mit Gefühlen zu tun. Auch wenn viele Kunstwerke den Intellekt ansprechen: ernst manchmal, verspielt, überheblich oder auch wie desinteressiert daran, ob ich als Betrachterin folgen kann oder nicht.

Als Kunsthistorikerin fühle ich mich oft in einem Dilemma. Klar, dass ich nach Deutungen suche, nach historischen Hintergründen, nach Vergleichen. Gleichzeitig merke ich: Wenn es mich nicht packt, bleibe ich ratlos. Ich könnte nicht einmal sagen, dass ich Kunst liebe. Ich brauche sie. Und mir fällt ein, dass es ein wenig so ist, wie mit Begegnungen in der Natur (oder das an Natur, was wir noch so haben in einer zivilisierten, also domestizierten Welt): Ein Aha-Moment. Und, wenns schön ist: große Freude.

Wie, frage ich mich oft, kann ich diesen Moment des Getroffenseins (und ja, natürlich denken wir jetzt schnell an den kleinen Bogenschützen Amor) darstellen. Nicht, um mich in den Vordergrund zu setzen, sondern um einen Aspekt von Kunst zu beschreiben, der im Großen und Ganzen ungenannt bleibt.

Mein Foto ist eine Verneigung vor Henri Rousseau, der gestern seinen 178sten Geburtstag hatte. Einer meiner großen Favoriten. Sein Dschungelbild „Tiger im tropischen Sturm“ hat mich in London umgehauen, wie so vieles: Ein Gang durch die National Gallery, und man fällt von einer Ohnmacht in die andere: so viele Lieblinge an den Wänden! Ein tropischer Sturm im Wasserglas, Rousseau war nie mit nur einer Zehenspitze in den Tropen. Aber mit seiner Fantasie, die, und auch das vergessen wir gerne, eine wesentliche Zutat großer Kunstwerke ist.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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