Gas geben

Stellen wir uns eine kleine, von der Arbeit auf dem Land noch kleiner gebeugte alte Frau vor. Sie bringt das Heu ein, als ein weißer Luxuswagen auf ihren Hof fährt: der Fahrer, ein Kurier aus dem Haus Chanel bringt Stoffproben und Aufträge für die kurz bevorstehende Präsentation. Wir wissen, wie eilig das ist. Die alte Frau ist schlecht gelaunt. 10% Nachzahlung für das Finanzamt, dabei war die Steuer nur einen Tag (wenn ich das richtig verstanden habe) überfällig. Sie hat nur acht Tage Zeit für die kniffelige Arbeit, die Borten für die neuen Kleider zu fertigen. Nein, und nochmal nein. Die Heuernte hat Vorrang. Natürlich werden die Borten fertig. Mme Pouzieux ist schließlich Profi. Sie schläft die folgenden Nächte einfach weniger (zwei Stunden). Gefragt, ob sie Stress habe: „Ach nein. Ich glaube, dass man sich seine Grenzen selbst setzt. Man kann immer, immer weiter machen.“ Und dabei ist sie entspannt bis in die Knochen. Keine Hektik, kein Theater. Eine stille Nacht auf dem Land mit dem Wetterbericht aus dem Radio und einer Hauskatze als Zuschauerin.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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