Sammelsurium

Eigentlich mag ich klare Formen und leere Räume. Ich wohne in einer kleinen Wohnung und versuche, nicht allzuviel Kram anzuschleppen. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie viel Mitbringsel sich überall ansammeln. Nicht, dass ich dauernd auf Reisen bin. Mitbringsel stecken auch schon mal nach einem Spaziergang im Park in der Manteltasche. Oder nach einem Besuch beim Flohmarkt. Ich verkneife mir das Meiste. Ich gehe im Grund auch gar nicht erst groß zum Trödel (manchmal lande ich eben versehentlich da). Ich bin auch keine „richtige“ Sammlerin. Ich bringe Zeug nach keinerlei sichtbaren Kriterien mit nach Hause. Klar, die Sachen müssen mir gefallen. Aber ich bin auf nichts spezialisiert, weder Gegenstände noch Farben noch Materialien. Die Idee, alles wegzuräumen, hatte ich noch nie, obwohl Staubwischen auf bestimmten Regalen eher die Hölle ist. Ungeahnte Schützenhilfe habe ich von Le Corbusier bekommen. Der als Architekt für eine sparsame Moderne, Stichwort „Wohnmaschine“ bekannt geworden ist. Le Corbusier nämlich sammelte wie wild. Die Objekte dienten ihm als Vorlagen für Zeichnungen und Skizzen, er stellte sie in immer wieder neue Zusammenhänge auf seine Fensterbänke und Regale von wo aus sie die Stimmung seiner Arbeit- und Wohnzimmer prägten. Die Freude an der schönen Form, das Staunen über das, was es gibt, in der Natur wie in dem Vom-Menschen-Gemachten spricht daraus. Wo er als Architekt die Leere propagiert, stattet er als Bewohner seine kargen Räume mit unendlich vielen Dingen aus. Ein Widerspruch? Erstens, warum nicht? Zweitens, vielleicht erst ergibt sich aus dem Zusammenspiel von zurückgenommener Architektur und überbordender Sammlung eine gute Balance, zumindest für Menschen, die stets auf der Suche nach neuen Ideen sind?

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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