Alltag im Netz

Wie immer, herzliche Grüße an Ulli die die regelmäßigen Alltags-Betrachtungen angestoßen hat: https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/08/13/alltag-10/

„Netzwerken“ – huuu, habe ich mich früher davor gefürchtet! Als junge Journalistin wusste ich noch nicht, wie wichtig es ist, Leute zu kennen, die einem helfen. Ich sah mich als Einzelkämpferin und glaubte, alles alleine stemmen zu können. Was teilweise auch gelang. Allerdings unter erheblichen Anstrengungen. Und irgendwo gab es immer eine Grenze, gegen die ich rannte. Ich bin – und das erkannte ich gleichzeitig auch im Privatleben – auf andere Menschen angewiesen. Alleine komme ich durch. Aber mit anderen komme ich weiter. Und vor allem ist es schöner: geteiltes Leid, aber auch geteilte Anstrengung oder Freude verbinden. Das musste ich lernen.

Auf eine andere Weise fühle ich mich immer getragen. Auch wenn Menschen, die mich unterstützten, fehlten. Es gehört wahrscheinlich zum Glauben, sich nicht alleine zu fühlen. Nicht, dass ich dauernd den lieben Gott auf einer Wolke über mir sehe. Aber ich fühle mich als Teil dieser Welt. Ganz egal, was passiert. Ich habe im Frühjahr eine ungeheure Herzenskälte durchgestanden. Da ist offensichtlich das Netz gerissen. Oder besser: mein Vertrauen in das Netz. Zum Glück ist dieser Zustand vorbei. Und mir wird klar: Entweder es gibt das Netz, oder eben nicht. Ein bisschen Netz scheint zumindest für mich nicht möglich.

Ein Netz ist eigentlich auch mehr als nur eine Stütze. Ich empfinde es eher als Kreislauf, in dem Dinge in Bewegung sind. Gerade neulich war ich in einem Papierladen, und bekam einen sehr schönen Druck geschenkt. Nicht, dass ich dieses Geschenk als „Belohnung“ dafür empfand, Tage zuvor ebenfalls ein paar Dinge verschenkt zu haben. Es schien vielmehr das Echo einer Offenheit, die ich mir in den letzten Jahren sorgfältig antrainiert habe. Sorry, klingt komisch, aber ich komme aus einer eher misstrauischen Sippe. Vertrauen ist mir auch nach wie vor nicht geheuer. Aber Offenheit, das habe ich gemerkt, Offenheit geht. Und ist für mich eine Grundvoraussetzung für tragende Netze.

Und das digitale Netz? Ohne kann ich mir mein Leben kaum noch vorstellen. Nicht, dass es nicht ginge. Aber es wäre endlos mühsamer. Insofern schätze ich Computer immer mehr. Allein für den Moment im letzten Frühjahr, als ich nachts um drei eine Zecke in meinem linken Bein verbissen fand. Ohne Anleitung, wie so ein Tierchen mit bloßen Fingern zu entfernen ist, wäre ich wahnsinnig geworden. Also. Auch hier: Es lebe das Netz. Aber bloß nicht zu lange. Und deshalb klappe ich den Rechner auch jetzt für heute zu…

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Ulli 15. August 2019

    Liebe Stefanie,
    deinen Beitrag verstehe ich ein stückweit als Antwort auf meinen. Du stellst für dich dar, was Netz sein kann und ist und an welcher Stelle aber du für dich entscheidest – das ist ein, für mich, wichtiger Aspekt, nur so bleibe jede und jeder für sich unabhängig und doch verbunden.
    Liebe Grüsse
    Ulli

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